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Franz P. Schiller

Literatur zur Geschichte und Volkskunde
der deutschen Kolonien in der Sowjetunion
für die Jahre 1764 – 1926



Schiller F.P. Literatur zur Geschichte und Volkskunde der deutschen Kolonien in der Sowjetunion für die Jahre 1764–1926. In Kommission des Staatsverlags der ASRR der Wolgadeutschen. Pokrowsk a/W, 1927, 66 S.


Schiller F. Literatur zur Geschichte und Volkskunde der deutschen Kolonien in der Sowjetunion für die Jahre 1764–1926.

 

EINLEITUNG

Vorliegendes Büchlein stellt den ersten Versuch einer systematischen Bibliographie zur Geschichte der deutschen Kolonien in der Sowjetunion dar; es macht keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern will nur eine kurze Übersicht geben über die während der Zeit des Bestehens der Kolonien in Form von Büchern und Sammelwerken oder als Aufsätze in Zeitschriften erschienene Literatur. Dieser grundsätzliche Plan hat dann einen erweiterten Ausbau erfahren durch die Berücksichtigung auch anderer, nicht streng geschichtlicher Literatur, wie besonders Wirtschaftsgeschichte, Kirchen- und Bildungsgeschichte und Volkskunde. Als Grundlage der Arbeit dienen die zahlreichen, vom Verfasser als Vorarbeit zu einer einstmals geplanten Geschichte der Kolonien gesammelten bibliographischen Aufzeichnungen.

Auf dem heutigen Territorium der Sowjetunion gibt es nach den letzten statistischen Angaben 2.042 deutsche   Ortschaften mit ca. einer Million Bevölkerung. Die chauvinistische nationale Politik des Zarismus ließ eine kulturelle Entfaltung des deutschen Bauernvölkleins nicht zu; noch allzu frisch sind die Verfolgungen während des Weltkrieges im   Gedächtnis, als wir durch die berüchtigten Liquidationsgesetze, weiche der zaristischen Regierung als Blitzableiter gegen das   heraufziehende revolutionäre   Gewitter dienten, von Haus und Hof vertrieben werden sollten. Die Ausführung dieses Gesetzes wurde durch das russische Proletariat vereitelt, aber selbst die Kerenski-Regierung hob sie noch nicht auf, sondern verfügte nur ihr zeitweiliges Außerkrafttreten. Die wirkliche nationale Freiheit und das Recht der Selbstbestimmung bekamen die Kolonisten erst nach der Oktoberrevolution.

Die Geschichte der Kolonien ist, trotz ihres mehr als 150-jährigen Bestehens, noch nicht geschrieben; das, was bis jetzt an Geschichtswerken vorliegt und in dieser Bibliographie verzeichnet ist, kann bestenfalls als Materialsammlung oder einseitige Versuche von Einzeldarstellungen betrachtet werden. Die Schuld daran liegt in erster Reihe an der Russifizierungspolitik der alten Regierung, die keine deutschen Schulen zuließ und folglich die Heranbildung einer deutschen Intelligenz und einer deutschen Kultur verhinderte. Nachdem die eingewanderte Intelligenz, die uns eine ganze Reihe von handschriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen hat, ausgestorben war, fehlte es an Nachwuchs, welcher die Sache hätte fortführen können. Das Monopol der Geschichtsschreibung und heimatkundlicher Forschung überhaupt liegt von nun an in den Händen der Geistlichkeit, der einzigen Trägerin der deutschen Kultur in den Kolonien bis 1905. Dieser Umstand brachte es mit sich, daß der größte Teil der deutschen Kolonistenliteratur einen engherzigen, kirchlich-konfessionellen Charakter hat. Der heutige Forscher darf jedoch keineswegs an dieser Literatur vorbeigehen: Sie ist für uns jetzt zum historischen Dokument geworden. Sie übermittelt uns zwar die Tatsache in einseitiger Beleuchtung, aber sie übermittelt sie uns immerhin. Außerdem wäre es unmöglich, den heutigen Kolonisten zu verstehen mit all seinen eigentümlichen Charakterzügen, Sitten und Gebräuchen, ohne die Verhältnisse zu   studieren, unter denen sich der Kolonistentypus entwickelt hat. Gleichzeitig mit der einseitigen deutschen Kolonistenliteratur ist sehr zu empfehlen, auch die einschlägiger russische Literatur zu berücksichtigen: Der rechte Weg liegt nicht selten in der Mitte zwischen den beiden extremen Darstellungen. Dies ist besonders in den 80 bis 90 Jahren der Fall, als der Großgrundbesitz des russischen Adels unter dem aufsteigenden Kapitalismus zusammenbrach und die Kolonisten Südrußlands die Haupterwerber (im Verhältnis zur russischen Bevölkerung) des veräußerten Landes wurden. Die chauvinistische Hetze Welitzins wurzelt darin.

Eine bedauerliche Lücke weisen alle bisherigen Darstellungen auf: Sie berücksichtigen viel zu wenig oder gar nicht die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonien und die damit verbundene soziale Schichtung, Auswanderung usw. Diese für den heutigen Forscher so wichtige Lücke auszufüllen, ist nur möglich durch das statistische Material in den örtlichen Archiven und durch die zahlreichen Tabellen und Berichte über die Wirtschaft der Kolonien in den verschiedenen "Гyбepнcкиe Beдомости" sowie in den im Druck erschienenen Jahresberichten der Ministerien des Inneren und der Reichsdomänen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auf diese Aufsätze und Berichte möchten wir die Leser der Bibliographie besonders aufmerksam machen.

Resümieren wir nur unsere Übersicht des vorhandenen Materials, so kommen wir zum Schluß, daß es an der Zeit ist und - wie sich der Verfasser wiederholt überzeugen konnte - ein notwendiges Bedürfnis ist, dem deutschen Kolonisten endlich eine Geschichte zu geben, von der er heute so gut wie nichts weiß. Diese Aufgabe kann selbstverständlich nur kollektiv gelöst werden; schon abgesehen davon, daß ein einzelner Forscher, sei er noch so gut bewandert, nur ein Teilgebiet der Geschichte bearbeiten kann, ist es ihm rein unmöglich, das in den örtlichen Archiven von Wladiwostok bis Leningrad, von Odessa bis Tiflis vergrabene Material zu erfassen. Hier muß vor allem die   Lehrerschaft so wie die übrige Dorfintelligenz Hand ans Werk legen und das erhaltene Material aus den Dorf-, Kreis- und Landesarchiven und -bibliotheken ans Licht fördern.

Noch viel schlimmer als auf eigentlich geschichtlichem steht es bei uns auf dem Gebiet der volkskundlichen Forschung; haben wir dort wenigstens eine Reihe von Materialsammlungen zu verzeichnen, so ist über dieses Gebiet noch kein einziges selbständiges Werk erschienen. Und dabei ist der deutschrussische Kolonist in volkskundlicher Hinsicht eine wahre Fundgrube für den Forscher. Nicht nur, daß sich viele aus Deutschland mitgebrachte, dort aber schon längst ausgestorbene Sitten und Gebräuche erhalten haben, sondern durch den Einfluß der ihn umgebenden Grundbevölkerung auf Lebensweise (materielle Kultur), Sprache, Sitten usw. hat sich ein Menschentypus gebildet, der eben die Wesensart des Kolonisten ausmacht. All dies sowie die reichen Schätze der Volkspoesie, Sagen, Schwanke, Reime usw. harren noch der Sammlung, Bearbeitung und Veröffentlichung. Wir haben noch zu   wenig gelernt, diese Reichtümer zu schätzen und blicken mit Geringschätzung auf talentvolle literarische Erzeugnisse unserer Kolonistenschrift herab. Vor allem aber heißt es an volkstümlichem Material sammeln, was noch zu erfassen ist; während des Weltkrieges und der Revolution sind viele alte Sitten abgestorben, manche durch neue ersetzt worden. Aber was heute nicht mehr lebensfähig ist, kann einen historischen Wert haben und verdient der Forschung aufbewahrt zu werden.

Was nun die systematische Einteilung der Bibliographie betrifft, so ergab sich von selbst: 1.) ein allgemeiner Teil für die Literatur über die Kolonien; 2.) für die Kolonistengebiete und einzelne Ortschaften. In letztere wurden auch die deutschen Gemeinden Saratow, Odessa, Moskau und Petersburg aufgenommen, da früher von ihnen eine geistige Beeinflussung der Kolonien ausging. Auch die Literatur über die Mennoniten schien mir zweckmäßiger besonders anzuführen; 3.) ergab sich eine Anordnung des Gesamtstoffes nach Sachgebieten, welche überall da gebildet wurde, wo die Vereinigung der Literatur wissenschaftlich erforderlich schien und sachlich einen gewissen Vorteil bot vor einer Zerstreuung in die einzelnen geographischen Gebiete und Ortschaften (Kirche, Schule, Volkskunde usw.). Aus der schönen Literatur wurden nur solche Werke aufgenommen, die sich mit dem Leben der Kolonisten befassen.

Die räumlich größte Gruppe unseres Materials bilden Aufsätze in Zeitschriften. Aus Zeitungen wurden nur einige geschichtliche Artikel registriert. Die Aufnahme der Artikel und Aufsätze ist die übliche: Verfasser, Titel, Fundort, Jahr (oder Jahrgang) und Seitenzahl. Die Ergänzung fehlender oder nur mit Buchstaben angedeuteter Verfassernamen wurde nach Möglichkeit in   eckigen Klammern beigegeben. Die Rechtschreibung (russische und deutsche) wurde überall modernisiert; nur bei einigen deutschen handschriftlichen Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert blieb die Schreibweise ungeändert.

Eine Reihe von Sachen, die in dieser Bibliographie verzeichnet sind, waren mir nicht erreichbar; ich habe die bibliographischen Angaben dann so übernommen, wie sie als Zitate in Büchern oder in gedruckten Katalogen und Bibliographien gegeben sind. Von Katalogen nenne ich hier die wertvolle Sammlung "Das Deutschtum im Ausland. Eine systematische Zusammenstellung der im Gesamtkatalog der preußischen wissenschaftlichen Bibliotheken verzeichneten Schriften 1900-1923. Berlin 1925".

(Die Abteilung "Südrußland und Wolgagebiet" umfaßt 56 Büchertitel, von denen mir einige nicht erreichbar waren.) Von Bibliographien - den "Bibliographischen Anzeiger" von S. D. Sokolow, erschienen 1924 in "Unserer Wirtschaft". Nicht erreichbar waren mir viele Unterhaltungsblätter und Zeitungen, die bei einer gründlichen Durchsicht sicher ein reichhaltiges Material zutage fördern würden.

Niemand ist sich der Mängel des vorliegenden Büchleins so bewußt als der Verfasser selbst, und dennoch glaube ich, den ersten Versuch einer Erfassung der Gesamtliteratur über die Kolonien zu wagen und ihn dem Heimatforscher auch in dieser unvollkommenen Form vorlegen zu müssen. Wer sich jemals mit der Geschichte unserer Kolonien befaßt hat, weiß wie schwer es ist, festzustellen, wo und was über einen Gegenstand erschienen ist. Und so möchte ich meine einleitenden Bemerkungen mit dem sehnlichsten Wunsche schließen, daß diese Bibliographie besonders dem deutschen Lehrer viele Anregungen geben und allen denen, die sich in irgend einer Weise mit unserer Geschichte befassen, bei ihren Arbeiten gute Dienste leisten möge.

Am Schluß erfülle ich die angenehme Pflicht, zwei warmen Freunden dieses Büchleins meinen herzlichen Dank auszusprechen; die Genossen D. D. Schmidt und Bernhart Bartels ergänzten die Bibliographie wesentlich und standen mir in allen prinzipiellen Fragen bei meiner Arbeit mit Rat und Tat - besonders bei der Drucklegung - zur Seite.

Moskau, im April 1927
Franz Schiller




INHALTSVERZEICHNIS

  EINLEITUNG

№№
I.   ALLGEMEINES
  1.   Von der Gründung der ersten deutschen Kolonien (1764) bis zum Weltkrieg (1914) 1-70
  2.   Vom Ausbruch des Weltkrieges bis Ende 1926

71-185
II.   EINZELNE KOLONISTENGEBIETE
  1.   Die Wolgakolonien 186-465
  2.   Die Kolonien im Schwarzmeergebiet 466-540
  3.   Die Mennonitensiedlungen 541-575
  4.   Die Kolonien im Kaukasus 576-595
  5.   Wolhynien 596-598
  6.   Sibirien 599-605
  7.   Woronesh, Nowgorod u. Petersburger Gouvernement u. a. Gebiete 606-612
  8.   Die Geschichte einzelner Gemeinden
    a)   Sarepta 613-634
    b)   St. Petersburg (jetzt Leningrad) 635-654
    c)   Moskau 655-665
    d)   Saratow 666-669
    e)   Odessa

670-672
III.   KIRCHE u. GEISTLICHKEIT IN DEN KOLONIEN

673-734
IV.   DIE KOLONISTENSCHULE

735-762
V.   KOLONISTENPRESSE
  1.   Im Inlande 763-838
  2.   Emigranten- u. ausländische Presse

839-853
VI.   DIE LITERATUR (eingeschlossen Sprache, Sitten u. Gebräuche)

854-933
VII.   STAATSMÄNNER u. GELEHRTE

934-951
VIII.   DIE KOLONISTEN IN DER FREMDE

952-957
  NACHTRAG

 


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