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Die Geschichte meiner Ahnenforschung



       Also, womit fing das alles an? Es fing mit Geschichten an. Geschichten, die mir mein Vater erzählte über seine Kindheit, über das Leben seiner Eltern, über verschiedene kleinere und größere Ereignisse in seinem Leben. Gewiß erzählte er mir diese Geschichten schon in meiner frühen Kindheit, als wir noch in Rohrgraben lebten. Aber damals konnte ich das alles noch nicht so erfassen und davon ist mir weniger im Gedächtnis geblieben. Er erzählte sie mir aber auch später, nach 1935, als wir schon in Marxstadt lebten und ich schon die Schule besuchte. Damals konnte ich ihm schon besser folgen und mir ist mehr davon im Gedächtnis geblieben.

       Der Vater erzählte, daß die Vorfahren der Herbers in Boaro nicht direkt aus Deutschland in diese Kolonie gekommen waren. Die erste Herber-Familie, eine Witwe mit einem 10- oder 12-jährigen Jungen, sei aus einer Kolonie von der Bergseite der Wolga nach Boaro gekommen. Der Junge hatte später geheiratet und hatte 6 Söhne. Der älteste von ihnen mit Namen Karl sei der Stammvater unserer Herber-Familien gewesen. Wann das war, und aus welcher Kolonie von der Bergseite sie gekommen waren, das wußte der Vater auch nicht mehr. Diese Geschichte hatte er von seinem Vater gehört.

       Während der schweren Kriegs- und Nachkriegszeit dachte niemand an Ahnenforschung, es gab keine materiellen Möglichkeiten dazu. Auch hatte man (besonders die Deutschen) keinen Zutritt zu den Archiven. Man konnte sogar die momentan notwendigen Bescheinigungen nur mit großen Schwierigkeiten (oder gar nicht) bekommen. Auch die Zeit war stets ausgefüllt mit dem Ringen um die bloße Existenz. Erst 1978, als ich die Möglichkeit hatte, eine Reise in die Bundesrepublik zu unternehmen, wo ich zufällig bei meiner ehemaligen Lehrerin Frau Therese Schilke auf das Buch von Karl Stumpp Die Auswanderung aus Deutschland nach Rußland in den Jahren 1763 bis 1862 stieß und dort zwei Eintragungen mit dem Namen Herber traf, suchte mich die Idee, nach meinen Ahnen zu forschen, von neuem heim. Ich schrieb mir diese zwei Eintragungen für alle Fälle aus dem Buch heraus. Die erste steht auf der Seite 134 und lautet:

       Herber, Johannes aus d. Darmstädtischen
       Fr.: Anna Kath. Stiehler, 1766, oo Büdingen

       Die zweite Eintragung auf der Seite 165a:

       Joh. Conrad Herber, ein Leineweber, weyl. Joh. Adam Herbers gewesenen Mitnachbars zu Neuengronau im freiherrl. Düngischen nachgel. ehel. Sohn, Russisch Kayserl. Colonist, wurde mit Anna Maria Ulrich Schmidts Mitnachbars zu Elm im Amt Brandenstein ehel. Tochter, den 22. Ten Juli copuliert.

       Als ich 1990 als Aussiedler zur ständigen Wohnsitznahme nach Deutschland kam und mir die Telefonbücher ansah, mußte ich zu meinem Erstaunen feststellen, daß es in Deutschland eine ganze Menge Familien mit dem Namen Herber gibt. Ich versuchte anfänglich, mir die Telefonnummern und Adressen der vorgefundenen Herber zu notieren, aber dann gab ich es auf, es waren zu viele, und zudem hätte ich so wie so nicht alle erfassen können, da ich nicht über alle Telefonbücher verfügte. Ich hätte gern jemanden angerufen, um mich mit ihm zum Thema Ahnenforschung zu unterhalten. Aber erstens war das zu kostspielig, zweitens, ich muß gestehen, daß ich einfach Angst hatte, denn der größte Teil der hiesigen Bevölkerung (aber auch viele von den unseren) verhielt sich uns Aussiedlern gegenüber ziemlich zugeknöpft und abweisend. Anfang Februar 1991 schrieb ich an meinen Bekannten in München, Herrn Rainald Schimmel, einen Brief, in dem ich ihn bat, mir ein paar Familien Herber in seiner Nähe zu suchen, die einverstanden wären, mit mir in Briefkontakt zwecks Familienforschung zu treten. Zu meiner Freude teilte mir Herr Schimmel auch bald mit, daß er vorläufig zwei Familien gefunden habe, die einverstanden wären, mit mir Briefwechsel zu unterhalten, und gab mir in diesem Brief auch sofort die entsprechenden Anschriften. Der Brief war vom 12.02.1991.

       Im April desselben Jahres erhielt ich von Herrn Schimmel eine Postkarte mit noch zwei Hinweisen von unserem gemeinsamen Bekannten Herrn Gallo. Der empfahl, ich solle mich an Herrn Schloßarchivar Dr. Peter Decker wenden, und an Herrn Stanick vom Osteuropainstitut.

       Am 3. März 1991 schrieb ich an die oben erwähnten zwei Herberfamilien Briefe, in denen ich mich für ihre Bereitschaft, mit mir in Briefwechsel zu treten, bedankte und ihnen kurz meinen Lebenslauf darlegte und bat, mir etwas über sich und ihre Ahnen zu schreiben. Auf Antwort wartete ich vergebens. Wahrscheinlich dachten die Leute, daß ich mich als armer Aussiedler ihnen aufdrängte, um etwas von ihnen zu erbetteln. Diese Reaktion schreckte mich derart ab, daß ich mich einige Jahre lang nicht mehr getraute, jemanden anzusprechen oder anzuschreiben.

       Ich verstand endlich, daß ich die Suche nach meinen Ahnen von mir aus beginnen und zurück in die Tiefe der Jahrhunderte forschen muß. So suchte ich Wege, zuerst mal an die Adressen der Archive in Saratow und Engels zu kommen. Irgendwoher wußte ich, daß in Saratow eine deutsche Wolgazeitung herausgegeben wird. Ich dachte mir, daß die Mitarbeiter dieser Zeitung mir doch sicher die Anschriften und Telefone der Archive in Saratow mitteilen könnten, und schrieb an diese Zeitung. Man schickte mir die Adresse des Staatlichen Archivs des Saratower Gebiets (). Ich schrieb dieses Archiv an und bat, mir Dokumente mit den Familiennamen Herber zuzuschicken. Ich hatte ja überhaupt keine Dokumente von meinen Ahnen außer den Todesurkunden meiner Eltern. Jetzt wartete ich auf eine Antwort von Saratow.

       Inzwischen saß ich nicht untätig herum. Ich schrieb und erhielt viele Briefe. Besonders intensiven Briefwechsel hatte ich angefangen mit dem Jahr 1995. Pflegte viele Telefonkontakte, suchte nach Spuren meiner Ahnen.

       Im Dezember 1994 war ich in Konstanz am Bodensee bei Helmut Schurr zu Besuch. Er interessierte sich auch für die Ahnenforschung, hatte auch schon große Erfolge dabei. Wir fuhren in das Dorf Reutlingen. Hier machten wir uns mit einem Herrn Helmut Thumm bekannt, einem Computerspezialisten, der sich in seiner Freizeit sehr intensiv mit Familienforschung beschäftigte. Die Unterhaltung mit diesem Mann beflügelte mich wieder und gab mir neue Hoffnung. Ich erzählte ihm von meinem Vorhaben und von den wenigen Anhaltspunkten, über die ich bis jetzt verfügte, zum Beispiel über die Eintragungen in dem Buch von Karl Stumpp. Herr Thumm riet mir dringend, an alle Kirchen und Archive in Hessen zu schreiben. Herrn Thumm bin ich für seine uneigennützigen Ratschläge und Hilfe zu großem Dank verpflichtet.

Auf Rat des Herrn Thumm schrieb ich den Pfarrer von Büdingen an und bat ihn um Erlaubnis, zu ihm zu kommen, um mir die Kirchenbücher dort mal anzusehen, was ich später auch verwirklichte. Außerdem erfuhr ich von Herrn Thumm, daß es in Deutschland schon ein sogenanntes Herber-Buch gibt, geschrieben von einem gewissen Herrn Werner Seyberth, Ingenieur von Beruf, mit Stammtafel der Familie Herber in 14 Generationen. Ich legte auf dieses Buch große Hoffnung. In unserer Bibliothek gab es das Buch aber nicht, so wandte ich mich an die Fernleihe. Es stellte sich heraus, daß es dieses Buch im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden gibt, kann aber nur dort an Ort und Stelle eingesehen werden. Etwas später erfuhr ich von einem bekannten Namensvetter Kurt Herber, daß er auf meine Mitteilung hin nach Wiesbaden gefahren war, hatte dort die Witwe des Autors Werner Seyberth aufgesucht und von ihr das Buch (das letzte Exemplar, das die alte Witwe noch besaß), geschenkt bekommen. Kurt Herber schickte mir eine Kopie von der Hälfte des Buches zu. Nachdem ich es durchstudiert hatte, mußte ich zu meinem großen Bedauern feststellen, daß von meinen Vorfahren dort keine Rede ist. Die Studie beginnt mit einem Zeitpunkt, wo meine Vorfahren schon längst an der Wolga waren. Von Herrn Thumm erhielt ich auch einige Formulare mit den Mustern von Eintragungen, nach denen ich meine Kartei hätte anfertigen können. Doch ich suchte lange nach einem eigenen Muster von Formularen, das meinen Anforderungen und Vorstellungen entsprach, bis ich endlich in Düsseldorf zusammen mit meinem Schwager Andreas Frank solch ein Muster auf der Grundlage der von einem Herrn Peter Bahn in seinem Buch Familienforschung, Ahnentafel, Wappenkunde empfohlenen Formular angefertigt hatte (Stammblatt). Auf solche Stammblätter nahm ich dann alle mir zur Verfügung stehenden Namen Herber auf, die nach meinem Ermessen zu unserer Herbersippe gehören könnten.

       Anfang Juni 1995 hatte ich mit meinem Bekannten in Bad Godesberg Herrn Eberhard Lindner ein Telefonat, wo wir auch über meine Ahnenforschung sprachen. Nach ein paar Wochen übersandte er mir einen Brief von einem Herrn Karl-Heinz Schlegel aus Dragensdorf, mit dem er über mein Problem gesprochen oder geschrieben hatte. Dieser Brief (vom 16. Juni 1995 von Herrn Schlegel) wurde ausschlaggebend für mich für weitere Maßnamen zu meiner Ahnenforschung. Auf seinen Rat setzte ich mich in Verbindung mit Herrn Hesse in Mannheim, mit einem Herrn Müller in Leipzig, mit einem Herrn Detlef Kühn, mit Herrn Burchard Hoebel aus Bielefeld (den besuchte ich dann persönlich, sowie auch Herrn Hesse in Mannheim). Alle diese Herren waren Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung e.V., wo ich dann auch Mitglied wurde. Zwei Jahre war ich Mitglied dieser Arbeitsgemeinschaft, zahlte natürlich Beiträge, erhielt die dort herausgegebenen Zeitschriften über Familienforschung, aber das alles half mir in meiner Forschung nicht weiter, so daß ich dann 1997 wieder austrat.

       Weiter schrieb ich das Hessische Staatsarchiv in Darmstadt an. Man teilte mir mit, daß das Archiv keine Möglichkeit hätte, Forschungen anzustellen.

       Nach einem kurzen Briefwechsel mit dem Pfarrer von der lutherischen Kirche in Büdingen Herrn Scheid fuhr ich zu ihm und sah mir dort die Kirchenbücher an, aus denen Dr. Karl Stumpp seine Angaben über die Trauung von 22 Kolonistenpaaren im Jahre 1766 genommen hatte. Ich fand diese Eintragungen und konnte zu den Angaben von Herrn Stumpp nur noch das genaue Datum der Copulierung des Johannes Herber mit Frau Anna Katharina Stiehlerin in Büdingen feststellen: den 03.03.1766.

       Ende August 1995 fuhr ich mit dem Auto in das Städtchen Reiskirchen unweit von Gießen zu meinen ehemaligen Studenten Waldemar und Nelly Haun. Eigentlich war ja Büdingen mein Ziel, in die lutherische Kirche und zu Pfarrer Scheid zu kommen, um mir die dortigen Kirchenbücher mal anzusehen. Ich war ja so ziemlich sicher, daß das von Stumpp gefundene, in Büdingen getraute und nach Rußland ausgewanderte Ehepaar Johannes und Anna Katharina Herber meine Stammeltern waren. Ich hoffte im Geheimen, noch mehr Angaben über diese Menschen zu finden. Als ich an der Kirche vorbei kam, kam mir die Idee, mal hineinzugehen und den Pfarrer zu fragen, ob es im Ort auch Familien mit dem Namen Herber gäbe. Als der Pfarrer, ein noch junger Mann, hörte, mit welchem Ziel ich ihre Stadt besucht hatte, sagte er, es kämen solche Namen hier vor, er werde gleich mal anrufen. Der Pfarrer rief eine Familie Herber an. Man antwortete ihm, sie hätten noch eine Stunde Zeit und ich könnte mal vorbeikommen. Der Pfarrer gab mir die Adresse und zeigte mir den Weg. Es war nicht sehr weit von der Kirche und ich suchte die Leute auf. Es war ein noch junges Ehepaar mit drei Kindern. Er war Ingenieur von Beruf und im Vorstand des örtlichen Heimatvereins. Sie war nicht berufstätig, saß zu Hause mit den Kindern. Es stellte sich heraus, daß es drei Adoptivkinder waren, sie selbst bekam keine Kinder. Die Leute nahmen mich so herzlich auf, daß ich sofort ein sehr vertrautes Gefühl zu ihnen bekam. So machte ich die Bekanntschaft mit dem Ehepaar Kurt und Petra Herber, aus der sich später eine echte Freundschaft entwickelte, die wir auch bis jetzt noch unterhalten.

       Kurt schickte mir später eine Liste der Familien Herber mit Telefon und Adressen, die er aus dem PC ausgedruckt hatte. Im Sommer 1995 lebten in Deutschland ca. 1350 Familien mit dem Namen Herber. Ich bin aber überzeugt, daß es heute noch viel mehr sind, über 370 leben allein in Hessen. Kurt machte mich mit seiner Tante Marie Herber bekannt, die mir beim Auffinden des Herkunftsortes meiner Urahnen sehr behilflich war.

       Von der zweiten Eintragung bei Dr. K. Stumpp auf der Seite 165a seines Buches erhielt ich eine Bestätigung (wörtlicher Auszug) vom Pfarrer der evangelischen Kirche von Schlitz (am 05.10.1995) und einen Auszug aus dem Kirchenbuch mit der gesamten Verwandtschaft des von Stumpp genannten Johann Konrad Herber von dem Ahnenforscher Herrn Schneider ( 24.11.2000).

       In den Archivunterlagen konnte man noch einige Herber-Familien finden, die 1766 nach Rußland an die Wolga ausgewandert waren. Jetzt tauchte die Frage auf, welche von den Familien meine Stammfamilie war? Ich war von Anfang an geneigt, die von Dr. Stumpp auf Seite 134 genannte Familie als die meine anzusehen (was sich später auch für richtig erwies).

       Auf meine Anfrage nach Archivadressen bei der deutschen Zeitung in Saratow erhielt ich keine Antwort. Ich wandte mich jetzt an einen von meinen Neffen, an Viktor Herber, der im Dorf Pawlowka bei Marx an der Wolga wohnte, mit der Bitte, nachzusehen, ob es in Marx oder Engels ein Archiv gibt, und dort nachzufragen, ob man dort auch selbst die Akten einsehen kann, und nach den Adressen. Im Dezember 1995 erhielt ich von ihm die Adresse des Archivs von Engels, das eigentlich eine Filiale des Saratower Archivs ist. Daraufhin schrieb ich das Archiv in Engels an. Inzwischen schrieb ich auch einen Brief an das Historische Archiv in Petersburg. Den Brief schickte ich mit dem Enkel von Sachar Propst, der hier zu Besuch war.

       In dieser Zeit wandte ich mich auch mit Schreiben an die Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland und an mehrere Einzelpersonen, u.a. an das Archiv des Fürstlich Stolbergsche Rentamt in Ortenberg (Hessen). Von überall erhielt ich entweder eine negative Antwort oder gar keine.

       Plötzlich erhielt ich einen Brief aus Köln von einem Heinrich Isaak. Als ich den Brief öffnete, war es eine Nachricht vom Direktor des Engelser Archivs Frau Jerina. Sie schrieb mir, daß sie 6 Mappen gefunden hätten, in denen der von mir gesuchte Name vorkommen könnte. Meine Freude war riesengroß. Herr Isaak war einige Zeit in Engels und studierte dort die Geschichte der Mennoniten. Als er von dort wegfuhr, übergab ihm die Direktorin des Archivs Frau Jerina einen Haufen Briefe, die er in Deutschland weiterleiten sollte, unter ihnen war auch der Brief für mich. Das war am 22. März 1996. Ich hatte an das Archiv am 10. Januar desselben Jahres geschrieben. So daß dies die Antwort auf mein Schreiben war, das ich nach dem Briefwechsel mit meinem Neffen Viktor Herber an das Engelser Archiv geschickt hatte. Aus Petersburg war indessen noch keine Antwort auf meinen Brief, den ich mit Sachars Enkel dorthin geschickt hatte, erschienen.

       Ich hatte Viktor Herber, meinen Neffen, gebeten, nach Engels zu fahren und dort die Arbeit des Archivs zu bezahlen und für mich die Post zu nehmen. Inzwischen hatte ich auch selbst mit Jerina, der Direktorin des Archivs in Engels, telefoniert und mir die Erlaubnis zugesichert, daß ich im Archiv arbeiten könnte, wenn ich mal zu ihnen käme. Im Frühjahr 1996 kam Viktor nach Deutschland zu Besuch und brachte mir Kopien von 7 Blättern aus dem Archiv mit, mitsamt einer Ausfuhrerlaubnis dieser Dokumente. Jetzt bekam ich zum ersten Mal eine dokumentarische Bestätigung in die Hände von den Fakten, die ich schon so lange mündlich von meinem Vater gehört hatte. Das waren Familienlisten und Revisionslisten aus Boaro verschiedener Jahre, wo der Name Herber mehrere Male vorkam: die Familienliste der Familie meines Urgroßvaters Christian mit genauen Geburten- und Sterbeangaben. Ferner die Geburtseintragung meines Großvaters Johannes Herber (26.12.1864). Es gab da noch einige Familien Herber, mit denen ich aber nichts anzufangen wußte. Jetzt galt es, den Vater meines Urgroßvaters Christian, den Stammvater unserer Herber in Boaro, zu finden. Nach den Erzählungen meines Vaters hieß er Karl und war Anfang des 20. Jh. als 10-12-jährige Halbwaise mit seiner Mutter aus einer Kolonie von der Bergseite nach Boaro gekommen. Später hatte dieser angebliche Karl 6 Söhne, der älteste von ihnen mein Urgroßvater Christian gewesen sein soll (so erzählte immer mein Vater). Ich suchte jahrelang nach diesem Karl, konnte ihn aber nirgends finden, wußte ja auch nicht, in welcher Kolonie auf der Bergseite ich ihn suchen sollte.

       Ende Mai 1996 erhielt ich unverhofft einen Anruf von einem Herrn Grosch aus Horn. Er erzählte mir, daß er einen Dolmetscher für Russisch-Deutsch suche, und man ihn auf mich verwiesen habe. Fragte, ob ich einverstanden wäre, bei einem Treffen in einer Kunstausstellung in Bad Salzuflen zu dolmetschen. Ich sagte zu. Dort wurde ich mit der Familie Sergejew bekannt und beim Abschied erfuhr ich, daß Valerij mit den Mitarbeitern des Leningrader Staatlichen Historischen Archivs bekannt war und dort Zugang hatte. Ich erzählte ihm von meinen Problemen mit der Ahnenforschung, und er versprach, mir dabei zu helfen. Sie waren sehr in Eile und er sagte, ich solle ihm mal einen Brief nach Leningrad schreiben und dort die Sachlage genau beschreiben. So schrieb ich ihnen am 31.05.1996 einen Brief. In dem Brief erklärte ich ihnen mein Anliegen und meine Pläne, dann wartete ich mit neuer Hoffnung. Kurz darauf schrieb ich einen Brief an das Archiv und fügte die Kopie des Briefes, den ich mit Sachars Enkel geschickt hatte, hinzu. Ende August 1996 kamen die Sergejews wieder nach Deutschland und kehrten bei Herrn Grosch ein. Sie brachten mir einen Brief aus dem Archiv und 36 Kopien aus verschiedenen Familien- und Revisionslisten. In dem Begleitbrief schrieb man, daß in den Akten des Archivs der Name Herber in den Listen von 1798 in 4 verschiedenen Kolonien vorkommt: in Niedermonjou, heute Bobrowka; in Kotschetnaja (Hölzel); Baskatowka (Kind) und Bujdakow Bujerak (Schwab, heute: Butkowka). Von den 4 Kolonien liegt nur Bujdakow Bujerak, oder Schwab, auf der Bergseite der Wolga, die übrigen befinden sich alle drei auf der Wiesenseite (linkes Wolgaufer). Also interessierte mich nur Bujdakow Bujerak (Schwab). Hier befanden sich nach den damaligen Listen folgende Herber-Familien:


Nr. 6.

Johann Konrad Herber

- 48 Jahre alt

 

Seine Frau Marie Elisabetha Stickert

- 37 Jahre alt

 

Sohn Johannes

- 8 Jahre alt

 

 

 

Nr. 8.

Johannes Herber

- 56 Jahre alt

 

Frau: Katharina Herdt

- 52 Jahre alt

 

Kinder:

 

 

Johannes

- 27 Jahre alt

 

Peter

- 21 Jahre alt

 

Johann Heinrich

- 19 Jahre alt

 

Georg

- 15 Jahre alt

 

Georg Friedrich

- 12 Jahre alt

 

Anna Maria

- 17 Jahre alt

 

 

 

Nr. 23.

Johann Herber

- 63 Jahre alt

 

Ehefrau Katharina Stiehl(er)

- 52 Jahre alt

 

Sohn Johannes

- 27 Jahre alt

 

Sohn Johann Heinrich Peter

- 21 Jahre alt

 

Sohn Johann Heinrich

- 17 Jahre alt

 

Tochter Maria Dorothea

- 23 Jahre alt

 

Tochter Katharina

- 17 Jahre alt

 

       (Die Listen wurden damals nach den mündlichen Angaben der Familienmitglieder angefertigt. Später stellte sich heraus, daß das Alter nicht immer stimmte.)

       Also, einer aus diesen drei Familien mußte der Vater unseres Stammvaters aus Boaro sein. Wer es war, das weiß ich leider bis heute noch nicht. Viele Jahre lang konnte ich auch nicht feststellen, ob es zwischen diesen drei Familien einen Zusammenhang gab und wo sie in Deutschland her stammten. Ich war 4 mal in den Archiven von Saratow und Engels, 2 mal im Historischen Archiv von Petersburg, durchsuchte Zentner von Akten und Aktenbündeln, besuchte mehrere Orte, Kirchen und Einzelpersonen in Deutschland, schrieb Dutzende Briefe - alles umsonst, ich konnte die Zusammenhänge nicht finden. Das hing doch wohl nicht so viel von der Kompliziertheit des Problems ab, als von meiner Unkenntnis und Unfähigkeit, mit meinen schon gesammelten Angaben umzugehen.

       Als ich die telefonische Zustimmung von der Direktorin des Engelser Archivs Frau Jerina erhalten hatte, selbst nach Engels zu kommen und an Ort und Stelle die Akten einzusehen, wurde diese Fahrt an die Wolga das nächste Ziel in meiner Forschung. Im Herbst 1996 fuhr ich dorthin.

       Im Archiv sah ich mir nochmals die Kirchenbücher an, aus denen ich schon Angaben hatte, schrieb einen Haufen Herber-Familien aus anderen Büchern heraus, konnte aber nichts Konkretes zusätzlich zu dem, was ich schon hatte, mehr finden. Ich machte lediglich noch die persönliche Bekanntschaft mit Herrn Igor Pleve, Doktor der Geschichtswissenschaften von der Universität Saratow, der sich ziemlich intensiv mit der Erforschung der Geschichte der Wolgadeutschen beschäftigte.

       So fuhr ich drei Jahre hintereinander nach Saratow und Engels: 1996, 1997 und 1998. Im April 1998 flog ich erst mal nach Petersburg, lebte dort eine Woche bei Sergejews, die mich mit der Abteilungsleiterin des Historischen Archivs Frau Larissa Iwanowna Sinizina bekannt machten.

       Die drei Wolgareisen waren doch ziemlich erfolgreich. Die Archivarin von Engels Frau Larjukowa, Raissa Wassiljewna, hatte mir schon mehreres Material vorbereitet, zum Beispiel über den von mir schon so lange gesuchten Herber, der Anfang des 19. Jh. mit seiner Mutter aus Schwab nach Boaro gekommen war, d.h. von meinem Ururgroßvater. Jedensfalls hieß er nicht Karl (wie mein Vater immer erzählt hatte), sondern Johannes. Und nicht sein ältester Sohn war Christian, mein Urgroßvater, sondern der zweite. Hier führe ich das Dokument an:

Aus der Familienliste von 1850 aus der Kolonie Boaro
(Archiv Engels, Fonds 354, Inventarliste 1, Akte 2)

Fam. Nr. 43.

Johannes Herber

- 42 Jahre alt

 

Ehefrau Anna Maria Schmidt

- 42 Jahre alt

 

 

 

Söhne:

Gottlieb Carl

- 20 Jahre alt

 

Christian

- 19 Jahre alt

 

Johannes

- 17 Jahre alt

 

Gottlieb Jacob

- 9 Jahre alt

 

Salomon

- 5 Jahre alt

 

Friedrich

- 3 Jahre alt

Töchter:

Christina

- 14 Jahre alt

 

Maria Elisabetha

- 12 Jahre alt

 

Christina Elisabetha

- 10 Jahre alt

 

Anna Elisabetha

- 7 Jahre alt

 

Maria Katharina

- 3 Jahre alt

 

       Also hatte ich meinen so lange gesuchten Stammvater der Herber-Familien in Boaro endlich gefunden. Mein Vater hatte sich in seinen Erzählungen geirrt er hieß nicht Karl, sondern Johannes, und mein Urgroßvater war nicht der erste Sohn dieses Ururgroßvaters, sondern der zweite. Ca. ein halbes Jahr darauf erhielt ich eine neue Kopie von Soja Emeljanowna Gussakowa aus dem Saratower Archiv, die nochmals bestätigte, daß ich mit meiner Suche auf dem richtigen Weg war. Die neuen Angaben waren älter als die von Engels:

Aus der Revisionsliste vom 29. November 1834 aus der Kolonie Boaro
(Archiv Saratow, Fonds 28, Inventarliste 1, Akte 686, Blatt 744 Umseite, 745)

Fam. Nr. 43.

Johannes Herber

- 26 Jahre alt

 

Ehefrau Anna Maria

- 26 Jahre alt

 

 

 

Söhne:

Gottlieb Carl

- 4 Jahre alt

 

Christian

- 3 Jahre alt

 

Johannes

- 1 Jahre alt

 

       Also, so groß war erst die Familie im Jahre 1834.

       Jetzt hatte ich alle Glieder der Kette von mir bis zu meinem Ururgroßvater Johannes. Es war erwiesen, wie alt er war (geboren 1808) und höchst wahrscheinlich in Schwab. Es blieb nachzuweisen, wer von den Söhnen der Herbers-Familien, die 1798 in Bujdakow Bujerak (Schwab) verzeichnet waren, sein Vater war, ob die drei Familien untereinander verwandt waren und wo sie her kamen (ihr Herkunftsort in Deutschland).

       Ich hatte schon 1995, als ich bei Kurt und Mariechen Herber war, durch Mariechen die Bekanntschaft mit einem Herrn Heinrich Reichel gemacht, einem älteren Rentner aus Mücke-Niederohmen. Der Mann beschäftigt sich intensiv mit den Kirchenbüchern in seiner Umgebung. Damals gab er mir Kopien von Abschriften aus den Kirchenbüchern von Wettsaasen, wo der Name Herber vielmals vorkam. Aber da war nur ein Herber, von dem er nicht wußte, wo der Mann hinkam. Er meinte, vielleicht könnte der auch in seiner Jugend ausgewandert sein. So blieb diese Liste dann bei mir liegen ohne weiter beachtet zu werden, denn es gab ja keinerlei Anhaltspunkte.

       Inzwischen schrieb ich viele Briefe an Adressen, die ich aus verschiedenen Quellen nahm, aber alles war unnütze Mühe. Schrieb auch nach Omsk, um dort Spuren des Verbleibens meiner Verwandten in den Jahren 1907 bis 1923 zu finden. Ich fand nur heraus, daß Großmutter Maria Susanne im Jahre 1913 und im Jahre 1919 einen Sohn mit Namen Heinrich zur Welt gebracht hatte, die aber wahrscheinlich noch als Kleinkinder gestorben waren, denn von den beiden Heinrichs gab es niemals eine Erwähnung. Aus diesen Bescheinigungen aus dem Omsker Gebietsstandesamt erfuhr ich noch, daß der Mädchenname meiner Großmutter (Vaters Mutter) Kutscher war, sonst wußte ich nur, daß sie aus Beckerdorf (Ernestinendorf) stammte.

       Ende 1999 erfuhr ich, daß in Göttingen ein Buch von Herrn Pleve herausgegeben worden war unter dem Titel Einwanderung in das Wolgagebiet 1764-1767, das die Listen der ersten Einwohner der Wolgakolonien enthielt. Aus dem Buch erfuhr ich, daß Herr Pleve und Herr Eisfeld (Direktor des Instituts in Göttingen) insgesamt 4 Bände dieses Buches zum Druck vorbereitet hatten, bis jetzt aber erst der 1. Band erschienen war: Von Anton bis Franzosen, d.h. es enthielt die Listen der ersten Einwohner von nur 22 Kolonien. Meine Kolonie Schwab wäre demnach erst im 4. Band erschienen. Mich überkam die fixe Idee, mich mal an Herrn Pleve zu wenden und ihn zu bitten, mir Kopien von den Herbern aus dem Manuskript des 4. Bandes zuzuschicken. Er zuschickte mir diese Listen. So erhielt ich dann folgende Mitteilungen:

1.02.2000

!

        . , ? .

       25 1766 : , 25 , , 19, , 14 .

        () .

        . .

        1767 :

       8 1767 , 54 , ., () ( , ) . - 18 15 . , 25 , , 22 . 29 , 22 .

        1798 :

        , 48
        , 37
        , 8

        , 56
        , 52
       :
       , 27
       , 21
        , 19
       , 15
        , 12
        , 17

        , 63
        , 52
       :
       , 27
        , 21
        , 17
       :
        , 23
       , 17

        , .

       Also aus einem Ort mit Namen Werzhausen in Hessen Darmstadt sollten die Witwe Anna Herber und ihre Kinder nach Schwab gekommen sein. Jetzt begann die große Suche nach diesem Werzhausen. Ich fuhr nach Detmold in unsere Landesbibliothek, durchstöberte einen Haufen Nachschlagewerke, Landkarten, Listen der Auswanderungsorte von Karl Stumpp vergebens, der Ort war nicht auffindbar, es gab ihn einfach nicht. Ich schrieb Dutzende Briefe an die Pfarrer verschiedener Kirchen in den Orten, die ähnlich lauteten, erhielt immer neue Hinweise alles war umsonst.

       Anfang November 2000 war ich auf einer Rundreise im Süden Deutschlands, da übergab mir meine Frau Pauline telefonisch, daß Mariechen Herber angerufen hatte, ich solle unbedingt zu ihr kommen, sie habe neues Material für mich. Ich fuhr zu ihr und erfuhr, daß Herr Reichel für Mariechen noch einmal die Kirchenbücher vom Ort Wettsaasen untersucht hat. Mariechen verglich die neuen Listen von Wettsaasen und die Listen von Herrn Pleve und stellte fest, daß die Personen, die 1767 in Schwab an der Wolga ansiedelten identisch sind mit einem Teil der Familie Herber in Wettsaasen. Wir fuhren noch einmal zu Herrn Reichel und zu Pfarrer Schäfer aus Wettsaasen. Ich sah mir die Kirchenbücher von Wettsaasen selbst an und vereinbarte mit dem Pfarrer, daß er mir von den Buchseiten Fotokopien macht und mir Anfang 2001 die Negative zuschickt. Ich will hier versuchen, eine Liste meiner Urahnen Herber aus Wettsaasen aufzustellen mit allen möglichen Erläuterungen und Bemerkungen, so weit die vorhandenen Angaben ausreichen.

 

Fam. Herber/Conrad

Anmerkungen:

 

 

Herber, Johann Caspar
*28.04.1657 in Wettsaasen
+ ?
Conrad, Anna
*30.04.1670 in Wettsaasen
+ ?
oo25.04.1695 in Wettsaasen

Hatten einen Sohn Johannes, *13.11.1705 in Wettsaasen. Ob sie außer Johannes noch mehrere Kinder hatten, ist unbekannt. (Alle diese Angaben aus den Kirchenbüchern von Wettsaasen)

 

 

Fam. Herber/Lein

Herber, Johannes
*13.11.1705 in Wettsaasen
+14.12.1762 in Wettsaasen
Lein, Anna Catharina
*22.01.1708 in Wettsaasen
+ ?
oo 03.01.1731 in Wettsaasen

Die Witwe Anna Catharina zog 1766 mit mindestens 4 Kindern als Kolonistin nach Rußland (mit Johannes *1733 und Ehefrau Anna Catharina Stiehler, Johannes*1742, Johann Conrad *1750 und Anna Gertraud *1753). Sie kamen am 25. Juli 1766 mit dem Lübecker Schiff unter dem Kommando des Kapitäns Bauer in Oranienbaum an. Herkunftsort Wettsaasen aus Hessen/Darmstadt. (Aus den Schiffslisten von Iwan Kuhlberg)

 

 

Kinder der Familie Herber/Lein:

 

 

 

 

Johannes

*25.06.1733 in Wettsaasen

Kam 1766 mit seiner Frau (getraut in Büdingen) nach Rußland. Siehe Familienliste von Schwab für 1798.

Johann Conrad

*22.04.1736 in Wettsaasen
+ ?
oo ?

 

Johann Henrich

*12.08.1737 in Wettsaasen
+08.02.1810 in Wettsaasen
oo 18.04.1770 in Wettsaasen mit Becker, Anna Elisabetha

 

Johannes

*21.09.1740 in Wettsaasen
+29.01.1741 in Wettsaasen

 

Johannes

*26.03.1742 in Wettsaasen
+ ?
oo ca. 1766 unterwegs von Oranienbaum nach Saratow mit Anna Catharina Herdt. 1767 führte er in der Kolonie Schwab eine selbständige Wirtschaft. (S. auch Familienliste von 1798 für Schwab).

(Angaben aus den Kirchenbüchern von Wettsaasen).

Juliana

*04.07.1745 in Wettsaasen
+ 12.12.1762 in Wettsaasen

 

Conrad

*19.09.1748 in Wettsaasen
+ ?

 

Johann Conrad

*13.02.1750 in Wettsaasen
+ ?

Zog 1766 mit seiner Mutter nach Rußland. Heiratete wahrscheinlich Marie Elisabetha Stickert. Siehe Familienlisten von Schwab für 1798.

Anna Gertraud

*13.11.1753 in Wettsaasen
+ ?

Zog 1766 mit ihrer Mutter nach Rußland.

 

       Jetzt richtete ich alle Aufmerksamkeit darauf, unter den vielen Kandidaten zum Vater meines Ururgroßvaters Johannes (geb. ca. 1808) (siehe Familienliste aus Bujdakow Bujerak Schwab für den 26. September 1798) den richtigen herauszufinden. Aus der Kopie der Revisionsliste vom 29. November 1834 aus Boaro, die ich Ende 1999 von Soja Emeljanowna Gussakowa aus dem Saratower Archiv erhalten hatte, ist ersichtlich, daß mein Ururgroßvater Johannes Herber, geb. 1808, Revisionsnummer 43, aus der Familie Nr. 36 ausgesondert wurde und die selbständige Nr. 43 erhielt. Jetzt galt es, die Familie Nr. 36 zu finden, wo die Eltern und andere Familienmitglieder enthalten sein mußten. Ich wandte mich mit der entsprechenden Bitte an Soja Emeljanowna. Sie schickte mir dann auch eine Kopie der Revisionsliste aus der Kolonie Boaro vom 29. November 1834 mit der gesuchten Familie Nr. 36. Es war die Familie von Peter Kappes (mit dem Archivstempel: Staatsarchiv des Gebiets Saratow, Fonds 28, Inventarnummer 1, Akte 686, Blatt 741 Rückseite). Hier steht unter anderen Familienmitgliedern auch der Stiefsohn des Peter Kappes Johannes Herber, der laut voriger Revision (1816) 7 Jahre alt war. Demnach hatte die aus Schwab nach Boaro ausgewanderte Witwe mit dem 10-12-jährigen Sohn Johannes Herber den oben genannten Peter Kappes geheiratet.

       In der genannten Familienliste figuriert noch die Tochter des Peter Kappes Sophia, die 1 Jahr jünger als der Johannes Herber war. (Siehe die genannte Revisionsliste von 1834). Ich schrieb jetzt an beide Archive, um die Geburtenliste dieser Tochter zu finden, in der auch die Eltern angegeben wären, um festzustellen, wer Sophias Mutter war, woraus man hätte urteilen können, ob die beiden Kinder Johannes Herber und Sophia Kappes Halbgeschwister waren oder nicht, und, um das etwaige Jahr festzustellen, wann die Herbers nach Boaro kamen. Doch waren bis jetzt in dieser Richtung alle Bemühungen vergebens. So daß die Frage der Vaterschaft meines Ururgroßvaters offen bleibt, sowie auch die Frage, wann die Herbers nach Boaro kamen. Hier ist nur eines gewiß, daß 1798 noch keine Herbers in Boaro lebten. Das habe ich herausgefunden, als ich die Familienlisten der Revision von 1798 in den Wolgakolonien im Archiv von Petersburg studierte.

       Ich habe im Laufe der Jahre eine große Menge von Herber-Familien zusammengetragen, aber die meisten davon sind im besten Falle nur weitläufige Verwandte zu uns. Die nähere Verwandtschaft beginnt erst mit der Ehe meines Großvaters mit Maria Susanna Kutscher.

       Jetzt habe ich ganz kurz die Geschichte meiner Ahnenforschung geschildert. Natürlich habe ich die große Menge Briefe, die ich im Laufe dieser Jahre geschrieben und erhalten habe, die aber nichts Wesentliches beinhalteten und zu keinerlei brauchbaren Resultaten führten, gar nicht einzeln erwähnt, um den Leser damit nicht unnütz zu langweilen. Meine Aufgabe und mein Ziel sind es jetzt, die ganzen positiven Resultate zu einem übersehbaren Schema zusammenzufügen, vielleicht in der Form des Ahnen- und Verwandtenschemas, das wir mit meinem Schwager Andreas Frank schon im März 1999 zusammengestellt haben. Heute kann ich das noch bedeutend ergänzen und vervollständigen. Darüber muß ich mir jetzt mal den Kopf zerbrechen.

Johannes Herber

Dezember 2002 - Februar 2004

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