Nachwort


       Seit der Beendigung der „Biographie“  sind schon wieder anderthalb Jahre vergangen.  In dieser Zeitspanne hat sich in meinem Leben  so manches abgespielt,  das ich hier erwähnen möchte. 

       Im September/Oktober 1998  war ich zum  zweiten Mal in Sankt Petersburg und arbeitete dort drei Wochen im  Russischen Staatlichen Historischen Archiv (das erste Mal war ich dort eine Woche im April 1998).  Ich überprüfte all die Akten, die ich früher schon eingesehen hatte,  fand auch sehr viele neue, die mein Interesse erweckten.  Aber da die Kartei so unakkurat und  unverständlich ausgefüllt war, konnte ich nicht immer sofort feststellen, daß in der gegebenen Akte gar keine Angaben zu meinem Thema enthalten sind, und ich mußte sie mir bringen lassen und durchsehen.   Ich habe in dreiwöchiger Arbeit fast nichts Wesentliches für meine Familienforschung herausgefunden, außer, daß meine Vorfahren zur Zeit der Revision von 1798 noch nicht in der Kolonie Boaro lebten.  In den Listen der Dorfbewohner gab es damals noch keine Herber.  Demnach  muß nach den Listen von 1798 in Bujdakow Bujerak  gesucht werden.  Ich konnte auch  die Listen  des Titularrats Johann  Kuhlberg  nicht finden.  Als ich im  Mai/Juni  desselben Jahres in Saratow und Engels vier Wochen in den Archiven verbrachte,  fand ich Listen von Kuhlberg  für das Jahr 1766, in denen zwei Familien Herber vermerkt waren.  Aber die Angaben sind da so spärlich, daß ich bis jetzt noch nicht herausfinden konnte, um welche Herbers es da geht.  Jedenfalls sind es nicht die zwei Ehepaare, die ich in Deutschland in den Kirchenbüchern gefunden habe.  In Saratow  konnte ich auch im Archiv des Gebietsstandesamtes  eine Bescheinigung  über die Eheschließung meiner Eltern  Alexander Herber und Rosalie Goldmann bekommen.  

       Über die Auswanderung meiner Großeltern aus Boaro nach Omsk im Jahre 1907 konnte ich weder in Saratow noch in Petersburg irgendwelche Angaben ausfindig machen, obwohl ich im Petersburger Archiv eine ganze Woche dieser Suchaktion widmete und mindestens ein paar Zentner Akten durchstöbert habe.

       Aus Petersburg kehrte ich das letzte Mal am 12. Oktober 1998 zurück.  Ich hatte dort schon einige Herzanfälle, kam aber noch glücklich nach Hause.  Am 16. Oktober kam ich dann endgültig mit einem akuten Herzinfarkt ins Krankenhaus, wo ich 10 Tage verbringen mußte.  Von einer Operation hatte ich mich abgesagt  (die Risiken bei  einem Alter von 71 Jahren waren mir zu groß). Mit Hilfe von Arzneien und strengem Regime lebe ich vorläufig noch ein bißchen.  Ich unternehme auch noch kürzere Reisen, jedenfalls nur mit dem Zug.

       Im Dezember 1998 traf unsere ganze Familie ein zweiter, weit aus größerer Schlag:  am 2. Dezember starb unsere jüngste Schwester Lili  an Krebs. Sie litt schon seit 1996 an den Folgen einer Brustkrebsoperation.  Die Beerdigung fand am 4. Dezember 1998 auf dem Friedhof von Horn-Bad Meinberg statt.  Es waren ca. 100  Freunde und Verwandte anwesend.  Ich will von einer genaueren Beschreibung der Beerdigung absehen, die habe ich ausführlicher in Lilis „Kurzem Lebenslauf“ beschrieben, den ich für die Enkel meiner Schwester angefertigt habe, damit sie  ihre Oma nicht in ein paar Jahren völlig vergessen.

       Nach dem Tod meiner Schwester geht es bei mir und auch bei meiner Frau  sehr stark bergab.  Pauline leidet auch all die Monate an  rasendem Herzklopfen.  Die Krankheit ist bei uns Thema Nr. 1 geworden, obwohl ich mich mit aller Kraft dagegen sträube.

        

       Alles  Positive, Gute, was mir im Leben widerfahren ist und wovon ich in der obigen Biographie geschrieben habe,  habe ich zum großen Teil meinen zahlreichen Freunden, die mich stets im Leben begleiteten und umgaben, zu verdanken.   Ich hatte noch vor dem Krieg, als ich in Marxstadt die Schule besuchte,  immer viele gute Freunde neben mir, und wir halfen stets einander, so viel wir konnten.   Manche sind in Vergessenheit geraten,  von manchen habe ich die Namen vergessen, aber an einige kann ich mich noch gut erinnern, das sind solche wie Sascha Ubert,  Kostja Weiß, Herbert Schmidt.  Im Krieg, nach unserer Aussiedlung, schon im Kolchos im Altai, hatte ich einen sehr guten Freund, einen Russenjungen, den Fedja Saizew, von dem oben schon die Rede war.  Sein Vater war im Krieg gefallen.  Wir hatten uns schon in den paar Schulmonaten im Winter 1942 bekannt gemacht, dann arbeiteten wir zusammen im Kolchos.  Wir spürten gar nicht, daß er ein Russe war und ich ein Deutscher.  Unsere Freundschaft blieb auch bestehen, als er nach dem Krieg in der Stadt Rubzowka lebte und arbeitete und ich wieder im Kolchos.  Der Mann wurde später von dem Vater seines Schwiegersohnes erstochen.  Von meinen Freunden in der Trudarmee habe ich schon  im entsprechenden Kapitel berichtet.  Von den Freunden  nach der Trudarmee  möchte ich meinen Schwager Reimund Leikam erwähnen, mit dem ich in den schweren Nachkriegsjahren zusammen arbeitete.  Eine lange und feste Freundschaft verband mich während der Jahre meiner Arbeit an der Universität in Frunse mit meinem Kollegen Jakob Friesen.  Das war sozusagen eine Familienfreundschaft.  Unsere Familien unterhalten auch heute noch Kontakte und wir treffen uns von Zeit zu Zeit hier in Deutschland, er lebt mit seiner Familie und seiner Verwandtschaft in Wuppertal.  Die Freundschaft mit zwei anderen Kollegen aus Frunse (Johann Nickel und Viktor Felde) ging nach vielen Jahren aus verschiedenen Gründen in die Brüche.  Alle die Jahre, die ich an der Kirgisischen Staatlichen Universität tätig war,  verband uns eine feste Freundschaft mit den Eheleuten Helmut und Hilde Schurr, die heute auch in Deutschland leben und mit denen noch immer freundschaftliche Beziehungen bestehen.  Enge freundschaftliche Verbindungen bestehen mit meinen Schwagern Andreas Frank und Zacharias Propst.  Hier in Deutschland entwickelte sich eine innige Freundschaft mit der Familie Alexander und Katharina Muth, mit denen mich die gemeinsamen Interessen zur Familienforschung verbinden.  Ich unterhalte freundschaftliche Beziehungen mit vielen meinen ehemaligen Studenten und Studentinnen, die jetzt hier in Deutschland leben.  An alle diese Leute kann ich mich in kritischen Situationen wenden und erhalte von ihnen nach Kräften Hilfe und Unterstützung, und dafür bin ich ihnen dankbar.

        

       Horn-Bad Meinberg, den 12. März 1999



Quellenverzeichnis

1. Государственный архив Саратовской области (Gosudarstvennyj archiv Saratovskoj oblasti).

2. Российский Государственный Исторический архив (Rossijskij Gosudarstvennyj Istoritscheskij archiv).

3. Энгельский филиал Государственного архива Саратовской области (Engelskij filial Gosudarstvennogo archiva Saratovskoj oblasti).

4. Архив ЗАГСа Саратовской области (Archiv SAGSa Saratovskoj oblasti).

5. Архив ЗАГСа Марксовского района Саратовской области (Archiv SAGSa Marksovskogo rayona Saratovskoj oblasti).

6. Kirchenbücher der ev. Kirche von Büdingen.

7. Erzählungen meiner Eltern und anderer Verwandten.

8. Eigene Erinnerungen.






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