Besuch von unserem Urenkel Maxim


       Als wir nach Hause kamen und unsere Ausgaben geprüft hatten, kamen wir mit meiner Frau überein, daß wir doch noch in diesem Jahr unsere Enkelin mit ihrem dreijährigen Sohn aus Frunse zu einem Besuch einladen können. Jetzt begannen aber richtige Höllenkreise. Früher war das ganz einfach: ich verpflichtete mich in der Einladung, daß ich alle mit dieser Einladung verbundenen  Auslagen auf mich nehmen würde, und damit hatte es sich. Jetzt mußten wir im Kreishaus bei der Ausländerbehörde erst mal einen Termin mit dem zuständigen Beamten vereinbaren. Der zählte uns dann auf, was wir alles besorgen und mitbringen sollten zum nächsten Termin: Angaben über unsere beiden Einkünfte (Renten), unseren Mietvertrag (ob wir auch Platz für einen Gast hätten und wie hoch die Miete sei), den letzten Kontoauszug, ein Versicherungsvertrag für die kommenden Gäste, die Reisepassnummer unserer Enkelin, 10 DM Gebühr, wir mußten beide selbst kommen und unsere Personalausweise mitbringen. Als das alles erledigt war, buchten wir bei einer Reisegesellschaft die Flugkarten für die beiden von Bischkek nach Hannover und zurück nach Bischkek. Wir hatten den  Aufenthalt der Kinder vom 1. bis zum 31. August geplant, so wollten wir auch die Flugkarten buchen. Doch es stellte sich heraus, daß der allernächste Flug von Bischkek  erst am 8. August möglich war. So buchten wir nun am 8. August her und am 27. August zurück. Doch auch diesen Plan hatten wir ohne die Auslandspaßstelle in Kirgisien gemacht. Die zogen die Ausstellung des Ausreisevisums so lange hin, bis der Abflugtermin am 8. August verstrichen war. Der Grund ist, daß dort sämtliche Reiseangelegenheiten jetzt in den Händen verschiedener Reisefirmen liegen, von denen die Paßbehörden natürlich ihren Anteil bekommen. Mit einem Wort – die Enkelin mußte ihren Abflug umbuchen auf den 20. August und 56 Dollar zuzahlen. Dann stellte es sich heraus, daß für dieses Datum nur ein Platz im Flugzeug frei war, so daß sie für den Kleinen bis zum letzten Tag keine Flugkarte hatte. Vor dem Abflug schaffte es die Mutter unserer Enkelin, für das Kind eine Flugkarte zu ergattern (für 20 DM Schmiergeld), mit der Bedingung, daß das Kind bei der Mutter auf dem Schoß sitzen wird. Aber als sie dann eingestiegen waren, stellte es sich heraus, daß allein in ihrem Salon noch 4 freie Plätze waren. Am Abend des 20. August empfingen wir sie in Hannover auf dem Flughafen. Am nächsten Tag fuhr ich zu der Reisefirma und buchte für 75 DM den Heimflug auf den 17. September um. Noch früher hatte ich bei der Ausländerbehörde das deutsche Visum umbuchen lassen. Auch eine neue Versicherung mußte ich für 80 DM erstehen. Es war ja schön, die Kinder bei uns zu empfangen und mit ihnen die Zeit zu verbringen. Aber es gab auch hier noch Ärger genug, zumal der Urenkel richtig verwöhnt und verzogen war, so dass ich am Ende nur noch mit  Zufriedenheit Wilhelm Busch zitieren konnte:

       Es ist halt schön, wenn wir Gäste kommen sehen.

       Es ist auch schön, wenn sie bleiben und sich mit uns die Zeit vertreiben. Wenn sie aber wieder geh’n, dann ist es auch recht schön.

        

       (Vorläufig beendet, Horn-Bad Meinberg, am 13.10.1997)
       (Letzte Bearbeitung – am 03.01.1998)
       (Neue Bearbeitung – am 07.03.1999)






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