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7. НА СМЕРТЬ ДЕДА КАРЛА ГЛЕЙМА (1948 г.)

NACHRUF

     Trübe Stunden der Verzweiflung wecken die inneren Gefühle zur Anteilnahme am Leidtragen über dem Verluste meines teuren, nie vergesslichen Kameraden u. Jugendfreunden GLEIM KARL d. DAVID, der am 23. April laufenden Jahres aus dem irdischen Leben infolge eines unerwarteten Herzschlages durch den grausamen und schonungslosen Tode niedergeworfen wurde. Schrecken und Aufregung brachte die Kunde über dem Falle des Hausvaters den Familienangehörigen. Alle Bemühungen u. Anstrengungen, Ihn durch den herbeigerufenen Arzte am Leben zu erhalten, waren resultatlos, und so mußte er am 3ten Tage nach dem Falle als Opfer des grausamen Todes unterliegen.

     Zum Troste den zurückgebliebenen Witwe, Kinder u. Enkelkinder möchte ich als langjähriger Freund sagen, daß hier das Wort „bis hierher u. nicht weiter“ Ausdruck findet, denn die Zeitspanne ist bei jedem abgemessen und [es] gibt nichts Beständiges auf Erden. Es ist ein ewiges Kommen u. Wiedergehen. Vielleicht ist auch das Ende unserer Zeitspanne nicht mehr ferne.

     Mühe u. Arbeit im Kampfe um das irdische Dasein war das Los eures dahingeschiedenen Vaters. Von früher Jugend auf mußte er infolge schwerer materieller Verhältnisse die Lasten als Sorger in der Familie übernehmen. Sein schonungsloser Schaffensgeist war das Erbe seiner seligen Mutter und war nicht fruchtlos, sondern brachte Ihm eine befriedigende Lebensexistenz und die Möglichkeiten, seinen Kindern die nötige Ausbildung zu geben, wo er im Geiste der Hoffnung im Alter, wenn die Kinder herangewachsen sind und Ihm Hilfe erweisen könnten, auf bessere Tage rechnete, welches Ihm in Wirklichkeit eine Zeitlang zuteil wurde und für Ihn die Sonne zu scheinen anfing. Aber ach! Der Schein der Sonne ging bald unter. Infolge des erbitterten Vaterland-Krieges mußte er samt der ganzen Familie seine Heimat, den Ort, wo er geboren, seine Kindheit, Jugend u. Mannesalter verbrachte, verlassen, und das Schicksal brachte Ihn nach Westsibirien, wo er im Altai-Geb. an der Station Toptschicha ankam. Im Alter von über 60 Jahren, körperlich immer noch kräftig, suchte er sich samt sein Sohn Gustav Arbeit auf der Toptschicherer M.T.S., bekamen vom Geschäft ein ansehnliches Quartier u. lebten vergnügt weiter.

     Im Jahre 1942 wurde sein Sohn einberufen, und somit mußte er abermals die Lasten der Fürsorge der Familie, bestehend aus Frau, verheiratete Tochter u. zweier Enkelkinder, deren Vater ebenfalls einberufen wurde, übernehmen.

     Die Hoffnung auf Beendigung des Krieges und die Rückkehr seines Sohnes ließ Ihn den Mut nicht sinken, aber das Schicksal hatte anderes vor.

     Eines Tages bekam er unerwartet die traurige Nachricht, daß sein einziger Sohn, welcher die einzige Stütze der Familie war, ein Opfer des Todes wurde, und somit war seine ganze Freude und Hoffnung zertrümmert. Größte Bestürztheit und körperlicher Niederdruck war der letzte Schicksalsschlag.

     Die Achtung seiner Töchter gegenüber den verdienstvollen Eltern blieb hier nicht wirkungslos.

     Auf Anratung seiner Tochter Ella, welche Ihn im Jahre 1946 besuchte, übersiedelte er samt der Familie nach dem Städtchen Kiselewsk über, woselbst seine Tochter arbeitete. Bald darauf kam Ihm auch sein Schwiegersohn, welcher aus der Armee entlassen, zur Hilfe.

     Die letzten Veränderungen im Zusammentreffen mit seinen 2 Töchtern u. Schwiegersohn waren abermals eine Aufmunterung seines Schaffengeistes. Von neuem und mit frischem Mute war er abermals der tätige Faktor und maßgebende Person in der Familie. Abermals vergnügt und in Hoffnung auf die Stütze von seiten seiner Kinder in dem Alter, lebte er weiter, aber die Schicksalsschläge sind ohne Ende u. kennen kein Erbarmen. Unerwartet wurde er als Opfer des Todes aus der Mitte der Seinigen dahingerafft, blieb nur die einzige Erinnerung zurück, und wenn man sein irdisches Dasein summiert, so war es nur getäuschte Hoffnung, Mühe u. Arbeit gewesen.

     Als ewiges Andenken wollen wir dem Dahingeschiedenen ein ewiges Lob nachrufen.

     Mein letzter Nachruf sei den zurückgebliebenen Witwe u. leidtragenden Kindern, als Andenken von seinem Jugendfreunden Loos Nikolaus gewidmet.

     Stadt Kemerowo,

     den 15ten Juni 1948.

Nachruf für Karl Gleim (стр. 1, фотокопия)

Nachruf für Karl Gleim (стр. 2, фотокопия)

Nachruf für Karl Gleim (стр. 3, фотокопия)

Nachruf für Karl Gleim (стр. 4, фотокопия)



     Некролог написан Николаем Николаевичем (Иоганном Николаусом) Лоосом, младшим братом моей бабушки по отцу, другом молодости деда Карла.

В. Дизендорф.



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