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, "Unsere Wirtschaft" 1925-1926 .



Das Sonnenwunder

Von Karl Denk


Josua und seine Mannen

Kämpften mit den zähen Heiden,

Die auch dann noch nicht ertrannen,

Als die Sonne wollte scheiden.


Deshalb rief der fromme Streiter:

‚Sonne, bleib mal bischen stehen!’

Und die Sonne ging nicht weiter

Auf des Feldherrn gläub´ges Flehen.


Josua und seine Leute

Schlugen nun die Heidenbande

Zu Jehovas größter Freude

Unverzuglich aus dem Lande.


Und dann ließ der wackre Recke

Das Gestirn des Tags versinken

Und an fast demselben Flecke

Venus zur Erholung winken.


Leider werden solche Wunder

Keinem Kriegsheer mehr vermittelt,

Weil der freche Menschenplunder

Sie bezweifelt und bekrittelt.


Unsere Wirtschaft, Nr. 8. Den 30. April 1925.




Die Sprachverwirrung zu Babel

Von Karl Denk


Ja, ja, sie war miserabel,

Miserabel ganz und gar,

Die Sprachverwirrung zu Babel

Im soundsovielten Jahr


Bedenkt nur: im eifrigsten Gange

Der Arbeit am himmlischen Turm

Verwandelt sich Meister in Schlange,

Geselle in elender Wurm.


Drum wurde gejohlt und geschrien,

Geflucht und gedroht mit der Faust,

Einander abscheulich verspien

Und endlich einander gelauft.


O Himmel, war das ein Geprügel

In Babel, der machtigen Stadt!

So geht´s, wenn der Mensch keine Zügel

In seinen Bestrebungen hat!


So lehrte sie uns die Geschichte,

Die geistliche Extravaganz;

Drum fehlt an dem frommen Berichte

Der Kopf sowie auch der Schwanz.


Unsere Wirtschaft, Nr. 8. Den 30. April 1925.




Bileams Eselin

Von Karl Denk


Weil die gute Eselstute

Gottes Willen nicht verletzte

Und sich ihm nicht widersetzte,

Öffnete ihr Gott die Schnute,

Dass sie ohne Kopfzerbrechen

Mit dem Bileam, dem frechen,

Ganz vernünftig konnte sprechen.


Dieses Wunder will uns sagen,

Dass wir auch mit langen Ohren

Niemals reden wie die Toren,

Wenn wir Gott im Busen tragen

Ferner, dass wir sicher schreiten,

Sicher fahren oder reiten,

Wenn die Engel uns begleiten.


Unsere Wirtschaft, Nr. 9. Den 15. Mai 1925.




Aus meiner Bildergalerie

Von Hans Sachs jr.

Bilder aus dem ersten Zimmer,
Ohne Glanz und ohne Schimmer.


1.

Ein Lehrer und ein Advokat,

Kurzum ein guter Genius,

Dem jeder, jeder, der ihm naht,

Das Geld zum Saufen spenden muss.


Und wenn das in der Schul´ geschieht,

Worin man ach du liebe Zeit!

Kein Glas und keinen Becher sieht,

So steht die Schell´ dazu bereit.


Was noch an ihm zu rühmen ist:

Er ist ein Freund von Pater Bast,

Bei dem er oftmals säuft und frisst,

Als frommer Christ und guter Gast.


2.

Als bloßer Rechtsverfechter

Ist dieser noch viel schlechter,

Trotzdem er mäß´ger frisst und säuft

Und weniger zu Pfaffen läuft.


Er stiehlt im dunklen Winkel

Das Ei mitsamt dem Hinkel,

Sowohl bei arm als wie bei reich,

Denn seiner Brill´ ist alles gleich.


Unsere Wirtschaft, Nr. 9. Den 15. Mai 1925.




Aus meiner Bildergalerie

Von Hans Sachs jr.

Bilder aus dem zweiten Zimmer,
Lichterfüllt von goldnem Schimmer.


1.

Er ist als Riese von Statur,

Desgleichen auch von Wissen

Auf unsrer weiten, breiten Flur

Der kommunistischen Kultur

Zu wirken stets beflissen;

Nur liebt er nicht zu schreiben

Und lässt es deshalb bleiben.


2.

Nicht allein nach der Statur,

nicht nach seinem Namen bloß,

Nicht in einem Fache nur,

Nein, in allem ist er groß.

Einst nur wird an ihm beklagt,

Wenn man nach Gebrechen fragt:

Dass sein krankes Herz ihn plagt.


3.

Dieser ist zwar klein von Wuchs,

Aber ein gar schlauer Fuchs,

Nein, ein kluge, braver Kunde,

Wie man selten einen hat;

Deshalb liebt ihn Dorf und Stadt,

Jung und alt aus Herzensgrunde.


Unsere Wirtschaft, Nr. 17. Den 15. September 1925.




Im alten und im neuen Testament

Von Karl Denk

Andre Zeiten, andre Vögel,
Andre Vögel, andre Lieder

H. Heine.


Du hörst im alten Testament

Die frommen Patriarchen

Und manchen andern frommen Mann

Bei fremden Weibern schnarchen.


Das schadet nichts; es mussten sich

Dafür auch jene Alten

Sogar bei Bier und Branntwein

Vom Schweinefleisch enthalten.


Doch wie im neuen Testament

Verzehren Wurst und Schinken

Von einem Schwein nach Herzenslust,

Besonders wenn wir trinken.


Das schadet nichts; wir mussen auch

Das Auswärts-Schnarchen meiden

Und uns mit einem einz´gen Weib,

Dem unsrigen, bescheiden.


Unsere Wirtschaft, Nr. 15. Den 15. August 1925.




Die Schwarze Internationale

Von Karl Denk


Und haben wir auch noch immer unbändig

Wie Hunde einander gebissen,

O seien wir, Brüder, von nun an bestandig

Einander zu lecken befliessen,

Auf dass unsre christlichen Wunden

Und Schmarren allendlich gefunden!


Zerkratzt und zerbissen und einsam

Erliegen wir leichter den Feinden,

Als wenn wir geheilt und gemeinsam

- Ein Ausbund von bunten Gemeinden

Im Namen des Heilands und stärken

Zu unseren christlichen Werken.


Die christlichen Werke ihr kennt sie ja alle

Bestehen im Rupfen und Scheren,

Wobei wir natürlich im nötigen Falle

Auch christliche Dünste entleeren.

In Klammern: Wir haben´s vonnöten,

Damit unsre Gegner zu töten.


Auf diesem Wege nur können wir siegen,

Das heilige Eigentum schützen,

Und wenn wir am Ende nicht doch noch erliegen,

Das goldene Christentum stürzen,

Wofür uns die großen Patronen

Natürlich entsprechend belohnen.


Unsere Wirtschaft, Nr. 17. Den 15. September 1925.




Zum neuen Jahr

Von Al. Frank

Viel Glück, viel Glück im neuen Jahr

Bei wenig Müh´ und Sorgen!

Dergleichen Wünsche bringt man das

Um jungen Neujahrsmorgen.


Jedoch das Glück ist dem nur hold,

Der allezeit beflissen

Tribut für seine Freundschaft zollt

Mit Tüchtigkeit und Wissen


Drum wirke ständig im Verein

Mit diesem edlen Paare,

Dann wirst du eher glücklich sein

In diesem neuen Jahre.


Unsere Wirtschaft, Nr. 1. Den 10. Januar 1926.




Kindisches Lallen

Von Karl Denk

Also ist Himmel und Erde worden, da sie geschaffen sind,
zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte.

1. Mosis 2, 4


Am ersten Tag schuf Gott das Licht,

Um dritten erst die Lichter -

Fürwahr ein kindisches Gedicht

Von ebensolchem Dichter.


Fürwahr ein kindisches Gedicht

Das ganze Schöpfungsmärchen

Mitsamt dem kindischen Bericht

Vom ersten Menschenpärchen.


Unsere Wirtschaft, Nr. 1. Den 10. Januar 1926.




Auf Lenins Tod

Von Fr. Bach

Genosse Lenin ist nun tot!...

Das Heer der Schaffer ist verwaist,

Noch vor dem vollen Morgenrot

Verlassen von dem größten Geist

In noch so mancher schweren Not!...

Genosse Lenin ist nun tot!...


Genosse Lenin ist nicht mehr!...

Hört! Trauerhöre tun es kund

Dem unzählbaren Schafferheer

Rings auf dem ganzen Erdenrund,

Und alle Herzen seufzen schwer:

Genosse Lenin ist nicht mehr!


Doch nein, doch nein, er ist nicht tot!

Das Schafferheer ist nicht verweist!

In jeder, jeder schweren Not

Von seinem Geist geschützt, umkreist,

Gelangt´s zum vollen Morgenrot

Genosse Lenin ist nicht tot!


Unsere Wirtschaft, Nr. 3. Den 24. Januar 1926.




Frühlingsahnung

Von Al. Frank

Ich lag als wie im Traum,

Da hört´ ich ein Geläute;

Ich ahnte aber kaum,

Dass es den Lenz bedeute.


Doch immer lauter klang

Der Ton wie eine Mahnung,

Und in das Herz mir drang

Des Lenzes leise Ahnung.




Aus dem Weltkrieg

Von Al. Frank

Ein Krieg, ein Weltkrieg ist entbrannt,

Ein Schlachten und ein Morden,

Wie keines noch die Welt gekannt,

Auch bei den wildsten Horden.


Für Kaiser, Glauben, Vaterland!

So lauten die Parolen

Mir sind die Dinge wohlbekannt

Der Teufel soll sie holen.


***

Erstmals gab es Höllendrachen,

So erzählen alte Mären

Umgekehrt! Den Höllenrachen

Sieht man heute sie gebären.


Kennst du diesen Höllenrachen?

Kapital, das ist sein Name,

Und die heut´gen blut´gen Drachen

Sind sein eingefleischter Same.


***

Diese fremde Schweinebande

Soll sich jetzt nicht mehr erfrechen,

In dem heil´gen Vaterlande

Fremde Laute auszusprechen!


Auch die Briefe nebst Adressen

Soll sie vaterländisch schreiben,

Wenn sie unser Brot will essen,

Wenn sie will im Lande bleiben.


***

Nieder mit der fremden Bande!

Nieder mit den fremden Schweinen,

Die im heil´gen Vaterlande

Auch ein heim zu haben meinen!


Selbst die Frauen, greise, Kinder

Dieser fremden Schweinebande

Jagt erbarmungslos zum Schinder,

Jagt sie fort aus unserm Lande!


***

Also niederträchtig schürt man

Hüben, drüben an dem Volke,

Denn im Drachenlager spürt man

Grollen einer nahen Wolke.