.
                                           

MICHAEL SCHIPPAN / SONJA STRIEGNITZ

WOLGADEUTSCHE

GESCHICHTE UND GEGENWART



Schippan M., Striegnitz S. Wolgadeutsche. Geschichte und Gegenwart. - Berlin, 1992. 240 .


Schippan M., Striegnitz S. Wolgadeutsche.

Die Spezialisierung der beiden Autoren auf verschiedene Zeitepochen der russischen Geschichte bedingte eine Aufteilung des zu bewältigenden Stoffes. Während Michael Schippan das erste Jahrhundert vom Erlaß der Einwanderungsmanifeste der Kaiserin Katharina II. 1762/63 bis zu den 1861 eingeleiteten Reformen in Rußland behandelt, führt Sonja Striegnitz die Darstellung vom ausgehenden 19. Jahrhundert weiter bis in die unmittelbare Gegenwart, in der das weitere Schicksal der in Rußland und den anderen Nachfolgestaaten der Ende 1991 zerfallenen Sowjetunion lebenden Deutschen noch weitgehend ungeklärt scheint. Der Zwang zur Kürze ließ manches Ereignis, manche Zusammenhänge unberücksichtigt bleiben. Verschiedene Schreibweisen der beiden Autoren konnten kaum vermieden werden und eine unterschiedliche Sicht auf das eine oder andere Detailproblem nicht ausbleiben.

 

 

 



Da uns der weite Umfang der Länder Unseres Reiches zur Genüge bekannt, so nehmen wir unter anderem wahr, daß keine geringe Zahl solcher Gegenden noch unbebaut liegt, die mit vorteilhafter Bequemlichkeit zur Bevölkerung und Bewohnung des menschlichen Geschlechtes nutzbarlichst könnte angewendet werden, von welchem die meisten Ländereyen in ihrem Schoose einen unerschöpflichen Reichtum an allerley kostbaren Erzen und Metallen verborgen halten...

1.

Verstatten Wir allen Ausländern in Unser Reich zu kommen, um sich in allen Gouvernements, wo es einem jeden gefällig, häuslich niederzulassen.

2.

Dergleichen Fremde können sich nach ihrer Ankunft nicht nur in Unserer Residenz bey der zu solchem Ende für die Ausländer besonders errichteten Tütel-Canzeley, sondern auch in den anderweitigen Gränz-Städten Unseres Reiches nach eines jeden Bequemlichkeit bey denen Gouverneurs, der wo dergleichen nicht vorhanden, bey den vornehmsten Stadts-Befehlshabern zu melden...


Mit dem Manifest Katharinas II. vom 22. Juli 1763, aus dem diese Textstelle entnommen wurde, begann die Geschichte der Wolgadeutschen, über die die Autoren berichten.




Inhaltsverzeichnis


Teil I: Kolonisationspläne, Werbung und Ansiedlung der Deutschen an der Wolga.
Das erste Jahrhundert der Kolonien.

5

Ältere Kolonisationspläne und die Vorbereitungen Katharinas II. zur Anwerbung deutscher Aussiedler

6
     Deutsche Kaufleute und Spezialisten 8
     Aufmerksamkeit für die russische Südgrenze 10
     Kolonisationspläne aus der Regierungszeit der Kaiserin Elisabeth 13
     Katharina II. ruft die Kolonisten 18
     Das Manifest vom 22. Juli 1763 21
     Die Tutelkanzlei unter Leitung von Grigori Orlow 22

Kolonistenwerbungen in deutschen Territorien und die Siedlerzüge nach Rußland

25
     Ein edler Kolonistenwerber 25
     Die Verbreitung der Manifeste Katharinas 26
     Stützpunkte in Regensburg, Hamburg und Lübeck 29
     Russische Berufer, Werber und Agenten 30
     Agenturen in Frankfurt am Main und in Ulm 34
     Notlage in Hessen 35
     Sammelplatz in Büdingen 37
     Rußlandfahrer in Friedberg 1767 38
     Werbungen in Anhalt, der Heimat Katharinas II 40
     Auswanderung aus dem Rheinland 42
     Furcht vor einem neuen Bauernkrieg in Bayern 44
     Der Kampf der Reichskreise mit der Auswanderung 45
     Lübeck als Sammelplatz 48
     August Ludwig Schlözer in Lübeck 49
     Die Überfahrt nach Rußland 51
     Weiterreise an die Wolga 55

Von den schweren Anfangsjahren zum bescheidenen Wohlstand

58
     Das Verlorene Paradies 58
     Die Lage der Kolonien 60
     Vorschriften für die Erbfolgeregelung 61
     Was die Kolonistenwerber versprachen 62
     Johann Reinhold Forster an der Wolga 65
     Die Instruktion von 1769 für die Einwohner 68
     Sarepta, die Kolonie der Brüder-Gemeine 70
     Die Mennonitenauswanderung nach Rußland 75
     Die Wolgakolonien im Pugatschow-Aufstand 76
     Dershawin als Retter, strafender Offizier und Dichter 79
     Über das kirchliche Leben 82
     Die Anlage der Kirchen 84
     Der bescheidene Aufschwung 85
     Weitere Nachrichten vom Gewerbe 88
     Aus dem Leben der Wolgadeutschen 89
     Hochzeitsbräuche 89
     Die ersten hundert Jahre der deutschen Wolgakolonien 91

Teil II: Reformen und Revolutionen in ihren Wirkungen auf die Wolgadeutschen.
Die Autonomie und ihr Untergang.
Gibt es eine Wiedergeburt?

95

Die Wolgakolonisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

96
     Sorgen in der Landwirtschaft 98
     Reformen. Das Jahr 1871 99
     Die Wirkungen der Neuerungen 105
     Erträge und Zubrot 109
     Kolonisten in Semstwos 112
     Ums Russische: Semstwo-Schulen 115
     Nicht mehr nur Trampeltierwoll: Semstwoärzte 119
     Für Eisenbahnen, gegen Zieselmäuse: Semstwo und Landwirtschaft 121
     Sarpinka, Reisekörbe und Putzmaschinen: Semstwo, Haus- und Kleinindustrie 124

Die Revolutionsjahre 1905/07: Die deutschen Kolonisten an der Wolga - eine Ordnungspartei?

129
     Anfänge politischer Gruppierungen, Vereine, Öffentlichkeit 131
     Ökonomische Veränderungen im Gefolge der neuen Agrarpolitik des Zarismus 135

Weltkrieg und Wolgakolonisten

139
     Die Kolonisten an der Wolga im Konzept alldeutscher Bestrebungen im Vorfeld und während des Krieges 139
     Russische Rechte gegen die deutsche Vorherrschaft im Innern. Die sog. Liquidationsgesetze 142

Vom Sturz des Zarismus zur Oktoberrevolution

149
     Versuche gesamtrussischer Zusammenschlüsse der Kolonisten 149
     Politische Gruppierungen und gesellschaftliche Aktivität 150

Oktoberrevolution, Bürgerkrieg und Wolgakolonisten

155
     Um die Macht: Semstwo oder Sowjet 155
     Brest-Litowsk und die Kolonisten 157
     Auf dem Weg zur Sowjetautonomie: das Kommissariat für deutsche Angelegenheiten an der Wolga 159
     Die Bildung des Autonomen Gebiets der Wolgadeutschen (Wolgakommune) 161

Erfolge und Schwierigkeiten der neuen Ordnung

167
     Der Ausgangspunkt 167
     Eine neue Stufe der sowjetischen Selbstverwaltung 169
     Im Zeichen der forcierten Entwicklung 177

Die Autonomie der Wolgadeutschen ist zu liquidieren ...

186

Anmerkungen

190

Dokumente

215
Ukas Katharinas II. an den Senat vom 14. Oktober 1762 215
Manifest der Kaiserin Katharina II. vom 22. Juli 1763. Von Gottes Gnaden 216
Ukas Katharina II. vom 8. Dezember 1763 221
Auswanderungsverbot der Kurpfälzer Regierung vom 29. April 1766 221
Fürstl. Anhalt-Dessauische wöchentliche öffentliche Nachrichten 222
Kaiserliches Auswanderungsverbot von 1768 223
Stenjka Rasin und die Fürstentochter 224
Entwurf für einen nationalen Zusammenschluß aller Wolgakolonisten zu einer selbständigen deutschen Wolgarepublik im russischen Föderationsstaat 225
Leitsätze für die Organisierung einer Föderation der Arbeiter- und Bauernräte der deutschen Kolonien im Wolgagebiet 226
Allgemeines Statut des Kommissariats für deutsche Angelegenheiten des Wolgagebiets 227
Anordnung des Rats der Volkskommissare an die Deputiertensowjets der Gouvernements Saratow und Samara zur Vermeidung von eigenmächtigen Handlungen gegenüber den deutschen Kolonisten 228
Dekret des Rats der Volkskommissare über die Bildung des Gebiets der Wolgadeutschen 229
Grußtelegramm des Exekutivkomitees der Arbeitskommune der Deutschen des Wolgagebiets an Karl Liebknecht 231