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Den 31. März 1982 NEUES LEBEN
Unabhängige deutsche Zentralzeitung
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SOLDATEN DER REVOLUTION

Rotgardisten
aus
Katharinenstadt


Sie waren unter den ersten Tschapajew-Kämpfern

Alexander Altenhof
David Belan
Gustav Belyn
Peter Deis
Andreas Deis
Gottlitb Ergart
Gustav Franz
Johan Franz
Eduard Fritz
Joseph Glasmann
Alexander Gleim
Heinrich Goldmann
Heinrich Goldmann
Alexander Hahn
David Hahn
Alexander Haier
Alexander Haier
Alexander Hartiger

Jakob Hartinger
Johannes Hergert
Rudolf Hetknecht
Wotf Karatsch
Gottlieb Koch
Alexander König
Johannes König
Georg Krüßling
Iwan Kurin
Friedrich Kurt
Heinrich Lain
Friedrich Liebert
Peter Loos
Johannes Maier
Johannes Masy
David Neuwirt
Wilhelm Sabelfeld
Alexander Schmidt

Alexander Schmidt
Alexander Schmidt
Johannes Schmidt
Johannes Schmidt
Bernhardt Schwarz
Johann Selger
Alexander Sprenger
Alexander Stalbaum
Johannes Stalborn
Herbert Stehle
Emil Stehle
Johannes Walger
Hermann Weimann
David Ziberius
Gottlieb Zitzer
Johannes Zitzer
Philipp Zitzer



Im Buch ,Bis zum letzten Atemzug ist auch von Rotgardisten aus Katarinenstadt die Rede, die in das erste Nikolajewsker Regiment eingetreten waren. Dieses Regiment bildete das Kernstück für die legendäre Tschapajew-Division. Meine Mutter erzählte mir, ihr Vater, Alexander Andrejewitsch Schmidt, sei einer dieser Rotgardisten gewesen. Ließe sich das nicht irgendwie nachprüfen? Mein Opa väterlicherseits hatte mit Budjonny gekämpft. Es wäre fabelhaft, wenn sich mein anderer Großvater als Tschapajew-Mitstreiter erweisen würde!

Juri SHURAWLJOW.

Diesen Brief bekam ich Ende 1972. Andere Leser wandten sich an mich mit ähnlichen Anliegen. Auch sie möchten wissen, ob ihre Verwandten zu den Tschapajew-Kämpfern gehörten. Doch eine Liste von Rotgardisten aus Katharinenstadt stand mir damals nicht zur Verfügung.

. . .Der Kreis Nikolajewsk des Gouvernements Samara erstreckte sich von der Wolga bis an die Ländereien der Uraler Kosaken. Gegenwärtig befinden sich auf diesem Riesenterritorium 18 administrative Rayons. In der Stadt Nikolajewsk (heute Pugatschow) bestand bereits seit Mitte 1917 eine starke bolschewistische Organisation, die von Weniniamin Jermostschenko, einem Bergmann aus dem Donez-Becken, geleitet wurde. Dort trat im September 1917 Wassili Tschapajew, Kompaniechef des Infanterie-Reserveregiments 138, der Partei der Bolschewiki bei.

Als die Kunde vom Sieg der Oktoberrevolution in Petrograd den Mittellauf der Wolga erreichte, bestand in Nikolajewsk immer noch die Doppelherrschaft: Dem konterrevolutionären Semslwo stand das revolutionäre Soldatenkomitee der Bolschewiki gegenüber. Das Kommando des Reserveregiments 138 unterstützte das Semstwo.

Das Nikolajewsker Revolutionskomitee setzte den Regimentskommandeur, Oberstleutnant Ottomar Stein, ab. Das Kommando übernahm Wassili Tschapajew, für den die Soldaten gestimmt hatten. Das Revolutionskomitee beauftragte ihn mit der Zerschlagung des Semstwo. Die Operation begann. Die Rotgardisten Bauer und Botschkarjow, beide Semstwo-Abgeordnete, betraten mit ihren Ausweisen den Sitzungssaal, in dem das Semstwo tagte und erklärten den Semstwo-Kongreβ für aufgelöst. Jeder der beiden Rotarmisten war mit zwei Revolvern bewaffnet. Der Oberbürgermeister der Stadt forderte, daβ man sie aus dem Saal entferne. Da flogen die Türen auf. Soldaten des Reserveregiments stürmten in den Saal. Tschapajew sprang auf den Tisch und hielt mit gezogener Pistole das Schlußwort: He, ihr weiße Bagage! Alles hört auf mein Kommando! Das Präsidium ist verhaftet und bleibt sitzen. Alle anderen verschwinden! Wer nicht gehorcht, wird erschossen!

Mit dem Semstwo wurde aufgeräumt. Der Bauernkongreß des Kreises wählte einen Rat der Volkskommissare. Sein Vorsitzender wurde Jermostschenko. Tschapajew ernannte man zum Kommissar der Roten Garde, der revolutionäre Soldaten des aufgelösten Regiments 138 angehörten, sowie zum Chef der hiesigen Garnison.

Der Kampf für die Errichtung der Sowjetmacht im Kreis war nicht leicht. Konterrevolutionäre Elemente zettelten Meutereien an. Ende Februar schlug die von Tschapajew geleitete Abteilung der Rotgardisten einen konterrevolutionären Aufstand im Dorf Lipowka nieder. Am 4. März eilte sie bereits nach Balakowo, wo die Konterrevolutionäre Sowjet- und Parteifunktionäre erschossen und den Militärkommissar der Stadt, Grigori Tschapajew, den jüngeren Bruder von Wassili Iwanowitsch, bestialisch ermordet hatten. Banden der Uraler Kosaken, die aus den benachbarten Gouvernements in den Kreis eingedrungen waren, trieben ihr Unwesen. Auf Beschluß des Stabs zum Schutze der Revolution, der von Jermostschenko geleitet wurde, mußte jede Wolost Rotgardisten zum ersten Nikolajewsker Regiment delegieren, wie Tschapajews Abteilung nunmehr hieß. Am 4. April 1918 beschloß der Rat der Volkskommissare von Katharinenstadt unter dem Vorsitz von Alexander Dotz, 60 Rotgardisten nach Nikolajewsk abzukommandieren. Der Militärkommissar der Stadt Schmidt und der Kommandeur der Rotgardistenabteilung Stehle erhielten den Auftrag, diese Einheit aufzustellen und zu entsenden.

In den Morgenstunden des 6. April verließen die Rotgardisten mit 12 Pferdewagen Katharinenstadt. Die Einheit stand unter dem Kommando von Alexander Gleim. Am nächsten Tag traf sie in Nikolajewsk ein. Sie wurde begrüßt von Pavel Santalow, Kollegiumsmitglied der Militärabteilung im Rat der Volkskommissare des Kreises, und Konstantin Bauer, Kommissar der Finanzabteilung des Kreises. Die Rotgardisten kannten die beiden sehr gut. Santalow und Bauer hatten dem revolutionären Aktiv von Katharinenstadt geholfen, die Bevollmächtigten der provisorischen Regierung der Macht zu entheben. Abends trat das Regiment an. Tschapajew nahm die Meldung von Alexander Gleim entgegen. Anschließend wurden die Rotgardisten aus Katharinenstadt zu revolutionären Soldaten des ersten Nikolajewsker Regiments vereidigt.

Am 28. März 1919, als der erste Jahrestag des Regiments begangen wurde, das inzwischen das Pugatschower Sowjetische Regiment hieβ, schrieb Wassili Tschapajew in der Zeitung Revoluzionnaja armija, es seien bereits das 2., das 3. und das 4. Nikolajewsker Regiment aufgestellt worden, und zusammen mit dem ersten Regiment haben sie die 25. Division, das Kernstück der IV. Armee, gebildet, die das Gouvernement Samara und das Ural-Gebiet von den Feinden des arbeitenden Volkes gesäubert habe.

Viele von den ersten revolutionären Soldaten wurden später zur Mitarbeit bei der Tscheka und der Miliz empfohlen. Sie wurden von anderen Kämpfern abgelöst, da der Zustrom von Freiwilligen aus den deutschen Dörfern an der Wolga zur Tschapajew-Division zunahm.

Raissa Borissowa, 1918 Sekretär des Kreisparteikomitees Nikolajewsk, schrieb in ihren Erinnerungen unter anderem: ...Die Armut unter den deutschen Kolonisten bildete die Stütze der Sowjetmacht an der Basis. Und diese, ihre wirkliche Macht verteidigten die werktätigen Deutschen selbstlos in den Kämpfen des Bürgerkrieges. Viele von ihnen meldeten sich zur Tschapajew-Division.

Albert HERR

Zelinograd