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BENJAMIN PINKUS / INGEBORG FLEISCHHAUER

DIE DEUTSCHEN IN DER SOWJETUNION

GESCHICHTE EINER NATIONALEN MINDERHEIT
IM 20. JAHRHUNDERT



Pinkus B. / Fleischhauer I. Die Deutschen in der Sowjetunion: Geschichte einer nationalen Minderheit im 20. Jahrhundert. Bearb. u. hrsg. von Karl-Heinz Ruffmann. - 1. Aufl. - Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, 1987. 599 S.
(Osteuropa und der internationale Kommunismus; Bd. 17)


Pinkus B. / Fleischhauer I. Die Deutschen in der Sowjetunion.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Inhaltsverzeichnis *


Vorwort des Bearbeiters und Herausgebers

11

Einleitung: Der Untersuchungsgegenstand und seine wissenschaftliche Behandlung (P + F) (DjVu)

13

Teil A

 

Vom aktiven Faktor im kaiserlichen zum bloßen Objekt im bolschewistischen Rußland

31

1. Kapitel
Siedlungs- und Tätigkeitsbereiche vom 18. Jahrhundert bis 1917 (F)

33

2. Kapitel
Der Weg von der Oktoberrevolution bis zum Zweiten Weltkrieg

53

2.1.       Die sowjetische Nationalitätentheorie und die nationalen Minderheiten
53
2.1.1.    Die bolschewistische Nationalitätenkonzeption 1903-1912 54
2.1.2.    Die Bolschewisten zur nationalen Frage 1913-1917 56
2.1.3.    Die bolschewistische Nationalitätentheorie 1917-1939 58

2.2.       Der rechtlich-politische Status der sowjetischen Nationalitäten

61

2.3.       Deutsche Autonomie und Staatlichkeit
68
2.3.1.    Das deutsche Kommissariat 68
2.3.2.    Die nationalen Sektionen der Kommunistischen Partei 72
2.3.3.    Die Verwaltungsorgane und die Teilnahme der Deutschen am öffentlichen Leben 78
2.3.4.    Die Autonome Republik der Wolgadeutschen 86

2.4.       Die demographische Dynamik der deutschen Bevölkerung
92

2.5.       Wirtschaftliche Entwicklung und sozialer Wandel in der deutschen Bevölkerung
98

2.6.       Das religiös-kirchliche Leben der Deutschen
110
2.6.1.    Zum Rechtsstatus der Religionen 111
2.6.2.    Der antireligiöse Kampf 113
2.6.3.    Die religiöse und kirchliche Praxis der Deutschen 122

2.7.       Bildungswesen und kulturelle Entwicklung der deutschen Minderheit
128
2.7.1.    Die schulische Ausbildung 129
2.7.1.1. Die Entwicklung in der Autonomen Deutschen Wolgarepublik 130
2.7.1.2. Einrichtungen in der RSFSR 131
2.7.1.3. Schulen in der Ukraine und allgemeine Würdigung 132
2.7.2.    Deutschsprachige Presse und Literatur
135
2.7.3.    Kunst und Wissenschaft 144
2.7.4.    Zum Prozeß der sprachlichen und kulturellen Assimilation 148

2.8.       Die Deutschen in der UdSSR und Deutschland
150
2.8.1.    Die Jahre 1918-1922 150
2.8.2.    Die Jahre 1922-1928 163
2.8.3.    Die Jahre 1929-1932 176
2.8.4.    Die Jahre 1933-1939 192
2.8.5.    Die Jahre 1939-1941 198

Teil B

 

Im Räderwerk zweier totalitärer Systeme

205

3. Kapitel
Die nationalsozialistische Variante: Im Menscheneinsatz Ost 1941-1945 (F)

207

3.1.       Die Volksdeutschen
210

3.2.       Die Deutsche Volksliste (DVL)

211

3.3.       Die Maschinerie
214
3.3.1.    Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland 215
3.3.2.    Das Deutsche Auslandsinstitut Stuttgart 217
3.3.3.    Alfred Rosenberg und das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete 223
3.3.4.    Der Reichsführer SS und Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums 228
3.3.5.    Die Volksdeutsche Mittelstelle der SS (VOMI) 230

3.4.       Die vertragliche Zwangsumsiedlung der Volksdeutschen 1939-1941
232

3.5.       Die Deutschen der Sowjetunion unter der NS-Verwaltung 1941-1945
236
3.5.1.    Die vorbereitenden Pläne 237
3.5.2.    Die Deutschen der Sowjetunion unter deutscher Militärverwaltung 242
3.5.3.    Die Deutschen der Sowjetunion unter der deutschen Zivilverwaltung 259
3.5.3.1. Das Reichskommissariat Ostland 261
3.5.3.2. Das Reichskommissariat Ukraine (RKU) 266
3.5.4.    Die Deutschen in Transnistrien unter rumänischer Verwaltung 276

3.6.       Die Administratrivumsiedlung: Der Große Treck - Schrecken ohne Ende
284

3.7.       Das Abkommen von Jalta - Das Ende mit Schrecken
296

4. Kapitel
Die sowjetkommunistische Variante: Deportation und Verbannung 1941-1955

303

4.1.       Die Deportation der Deutschen
303
4.1.1.    Die Hauptphase (1941) 304
4.1.2.    Die zweite Phase (1942/1944) 311
4.1.3.    Die letzte Phase (1945) 312
4.1.4.    Kritische Würdigung des Gesamtvorganges 315

4.2.       Die Deutschen in der Verbannung

318
4.2.1.    Topographie und rechtlich-politischer Status 318
4.2.2.    Wirtschaftliche und soziale Lage 327
4.2.2.1. Die vor 1941 Umgesiedelten 328
4.2.2.2. Die seit Kriegsbeginn Deportierten 329
4.2.2.3. Die Arbeitsarmisten 331
4.2.2.4. Die Häftlinge in Konzentrationslagern 332
4.2.3.    Bedrohung und Entwurzelung der Grundlagen nationaler Identität 334
4.2.4.    Kulturelles und religiöses Leben 337
4.2.5.    Deutsch-deutsche Kontakte 340
4.2.5.1. Begegnung mit den Repatriierten 340
4.2.5.2. Begegnung mit den Antifaschisten 341
4.2.5.3. Kontakte zu den Kriegsgefangenen 343

4.3.       Die Deutschen der Sowjetunion und die westdeutsche bzw. internationale Öffentlichkeit
344

Teil C

 

Ringen um nationale Minderheitsrechte in der Nach-Stalin-Ära

349

5. Kapitel
Die Periode der Rehabilitierung

351

5.1.       Innen- und außenpolitische Rehabilitierungsvoraussetzungen
351

5.2.       Die rechtlich-politische Lage der Deutschen nach 1955

357

5.3.       Wandlungen der sowjetischen Nationalitätentheorie und die Deutschen in der UdSSR
366

5.4.       Zur Rolle der Deutschen im politischen Leben
378
5.4.1.    Mitgliedschaft und Funktionen in der Kommunistischen Partei 379
5.4.2.    Vertretung und Mitwirkung in staatlichen Organen 383

5.5.       Die demographische Entwicklung
390
5.5.1.    Die Zahl der Deutschen und ihre Verteilung auf die Republiken 390
5.5.2.    Die Verteilung nach Geschlecht, Alter und Größe der Familie 395

5.6.       Die wirtschaftliche und soziale Lage der Deutschen nach 1955
400
5.6.1.    Das Bildungsniveau 401
5.6.2.    Die Berufsverteilung 404
5.6.3.    Einkommen, Eigentum und Lebensstandard 407

5.7.       Ausbildung und Kultur
411
5.7.1.    Muttersprachliche Ausbildung der Kinder 411
5.7.2.    Die deutschsprachige Literatur 420
5.7.3.    Presse und Rundfunk 438
5.7.4.    Musik, Theater, Bildende Kunst 444
5.7.5.    Neuansätze wissenschaftlicher Forschung 448

5.8.       Religion und Kirche
451
5.8.1.    Sowjetische Religionspolitik unter und nach Chruscev 451
5.8.2.    Konfessionelle Zugehörigkeit und kirchliche Lage der Deutschen 454
5.8.3.    Zum religiösen Leben der Deutschen 464

6. Kapitel
Nationale Identität und nationale Bewegung

471

6.1.       Indiaktoren und Faktoren nationaler Identität und nationalen Erwachens
472

6.2.       Die deutsche nationale Bewegung
493
6.2.1.    Die Dissidentenbewegung in der Sowjetunion 493
6.2.1.1. Das politische Dissidententum 497
6.2.1.2. Das religiöse Dissidententum 498
6.2.1.3. Das nationale Dissidententum 499
6.2.2.    Die nationale und Dissidentenbewegung der Deutschen
500
6.2.3.    Die Unterdrückung der deutschen nationalen Bewegung 515

6.3.       Die deutsche Auswanderungsbewegung und ihre Rahmenbedingungen
521
6.3.1.    Zur Rolle der Beziehungen zwischen der UdSSR und der Bundesrepublik 521
6.3.2.    Zur Rolle der Beziehungen zwischen der UdSSR und der DDR 528
6.3.3.    Sowjetische Emigrationspolitik und deutsche Ausreisebewegung 531
6.3.4.    Das Ausmaß der deutschen Aussiedlung 553

Quellen- und Literaturverzeichnis
561

Namensregister
587

Ortsregister
597



*) Die mit (F) gekennzeichneten Kapitel stammen von I. Fleischhauer, die anderen von B. Pinkus




Vorwort des Bearbeiters und Herausgebers

Dieses Buch weist zwei besondere Merkmale auf. Einmal liefert es eine grundlegende, in vielen Partien erstmalige Darstellung der Geschichte der Deutschen in der Sowjetunion bis zum Ende der siebziger Jahre. Im deutschen Sprachraum gibt es eine vergleichbare Untersuchung gar nicht, im englischen nur in Ansätzen.

Zum anderen ist es das Werk von zwei Gelehrten, die sich durch intensive Forschungs- und Lehrtätigkeit auf dem Gebiet der Nationalitätenproblematik in Osteuropa international einen Namen gemacht haben. Benjamin Pin-kus (geb. 1933 in Warschau, promoviert 1970 an der Sorbonne) ist ein israelischer Sozialwissenschaftler, der spätestens seit seiner 1985 in New York mit dem Kenneth B. Smilen Prize for Social and Political Analysis ausgezeichneten Studie The Soviet Government and the Jews 1948-1967. A Documen-ted Study (Cambridge 1984) als einer der besten westlichen Kenner der jüdischen Minderheit in der UdSSR zu gelten hat. Ingeborg Fleischhauer (geb. 1942 in Erfurt, promoviert 1970 in Konstanz), aus deren Feder die beiden Kapitel über die Deutschen in Rußland bzw. der Sowjetunion während der späten Zarenzeit bzw. unter nationalsozialistischer Besatzungsherrschaft während des Zweiten Weltkrieges stammen, hat eine Reihe von Arbeiten zu Agrar- und Nationalitätenfragen in Osteuropa, darunter insbesondere über die deutsche und jüdische Minderheit, veröffentlicht; eine umfangreiche Geschichte über Die Deutschen im Zarenreich ist im Jahre 1986 erschienen. Das vorliegende Buch ist erwachsen aus intensiven Gesprächen zwischen den beiden damals an der Hebräischen Universität Jerusalem lehrenden Autoren, die sich aufgrund ihrer spezifischen Voraussetzungen zu dieser Untersuchung veranlaßt fühlten. Richard Löwenthal (Berlin), der den Wert des Projekts sofort erkannte, setzte sich für dessen Verwirklichung ein. Die Stiftung Volkswagenwerk finanzierte in großzügiger Weise von 1978 bis 1980 das Forschungsvorhaben der beiden Wissenschaftler. Das Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien (BlOst) betreute die Arbeit während des gesamten Zeitraums.

Nachdem Frau Fleischhauer eine deutsche Übertragung der französischen Text- und Anmerkungsteile von Herrn Pinkus angefertigt hatte, fiel mir ab Ende 1981 die ehrenvolle, aber auch schwierige, aus vielerlei Gründen erst Ende 1985 voll erfüllte Aufgabe zu, ein veröffentlichungsreifes Gesamtma-nuskript zu erstellen. Schwierig insofern, als dazu nicht nur ganz allgemein inhaltliche Straffungen und sprachlich-stilistische Glättungen gehörten, sondern eine deutsche Neufassung der von Pinkus geschriebenen Kapitel. Darüber hinaus wurden nach Abschluß des Manuskripts (1980) erschienene einschlägige Arbeiten in den Anmerkungsapparat bzw. in das Literaturverzeichnis aufgenommen und - sofern notwendig - bei der Bearbeitung berücksichtigt.

Über die Qualität des nun endlich vorliegenden Buches wird der Leser befinden. Ihm sei nur ein Hinweis mit auf den Weg gegeben: Die Darstellung erfaßt und analysiert sämtliche Lebensbereiche und Ausdrucksformen der Deutschen der Sowjetunion in dem Bestreben, sie stets in die jeweilige allgemeine innen- und außenpolitische Entwicklung einzuordnen und innerhalb dieser richtungsweisenden Rahmenbedingungen sowie durch - ebenfalls ständige - Vergleiche mit entsprechenden Vorgängen und Problemen bei anderen nationalen Minderheiten des Vielvölkerimperiums, darunter insbesondere der jüdischen, kritisch zu würdigen.

Schließlich ist vielfacher Dank abzustatten: beiden Autoren für ebenso erfreuliche wie ertragreiche Zusammenarbeit und für großzügige Hinnahme der vorgeschlagenen Korrekturen; erneut beiden Autoren, aber zugleich auch Leitung und Mitarbeitern des BlOst für Engelsgeduld beim schleppenden Fortgang meiner Arbeitsschritte zur Fertigstellung eines druckreifen Manuskripts; dem wissenschaftlichen Direktorium des BlOst für Aufnahme der vorliegenden Endfassung in die Schriftenreihe für ostwissenschaftliche und internationale Studien; Dr. Alfred Eisfeld (München) für Anfertigung der Karten und Konrad Maier, M. A. (Erlangen) für Erstellung des Registers; ganz besonders aber Barbara Langer, M. A., Publikationsreferentin des BlOst, für einfühlsam-beharrlichen Zuspruch und vielfältige technisch-organisatorische Hilfen, ohne die das Buch so kaum zustandegekommen wäre. Möge es - dies ist der Wunsch von uns allen - beitragen zu vermehrtem und dauerhaftem Interesse und Verständnis für fast zwei Millionen Menschen, die, trotz zeitweise schwierigster Existenzbedingungen, um ihre nationalen Rechte ringen und inzwischen zu einem gewichtigen politischen Faktor im deutsch-sowjetischen Verhältnis geworden sind.


Erlangen, Mitte Juli 1986

K.-H. Ruffmann